Dritter Geburtstag der Enzyklika Laudato Si'

Zu Besuch beim Papst

11.07.2018
Bernd Nilles, Geschäftsleiter von Fastenopfer, und Papst Franziskus.

An der internationalen Laudato Si’-Konferenz (5-6 Juli 2018) des Vatikans, nahmen auch Fastenopfer-Geschäftsleiter Bernd Nilles und Bereichsleiterin Sonja Kaufmann teil. Beide hatten die Möglichkeit, Papst Franziskus persönlich zu begegnen.

In seiner Ansprache an die Teilnehmenden der Konferenz betonte Papst Franziskus, dass unser Gemeinsames Haus, unser Planet dringend repariert und nachhaltig geschützt werden müsse. Es gehe um einen «radikalen, grundlegenden Wandel». Die Wissenschaft belege detailliert, wie stark wir die planetarischen Grenzen überschreiten und welche Katastrophen uns drohen. Es gelte; jetzt zu handeln, denn an Wissen mangle es nicht.

 

Der Papst wandte sich auch an die Regierungen, die Ende 2018 in Polen zum Klimagipfel COP24 zusammenkommen werden und ermahnte diejenigen, die am meisten CO2 ausstossen, endlich keine Zeit mehr zu verlieren und mutig voranzugehen. Die Finanzinstitutionen rief er zu einem Paradigmenwechsel auf – sie sollten aufhören, Teil des Problems zu sein. Dieser dringliche Appell stärkt das Engagement von Fastenopfer, das aktuell ein «Divestment» – ein Ende von Investitionen in Kohle und Erdöl von der Schweizer Nationalbank fordert.

 

Den nachhaltigen Lebensstil lernen

 

Franziskus sieht jedoch auch die Kirche in der Pflicht und dankte allen, die an der Umsetzung von Laudato Si’ mitwirken. Bernd Nilles betonte, dass die Fastenopfer-Strategie und deren Schwerpunkte inspiriert durch Laudato Si umgesetzt werden.

 

Der damit verbundene ganzheitliche sozial-ökologische Ansatz leistet einen wichtigen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen, denen sich die Schweiz im Rahmen der Vereinten Nationen verschrieben hat. Fastenopfer hat anlässlich des dritten Geburtstags von Laudato Si’ zwei Hefte mit Zitaten aus dieser wichtigen Enzyklika herausgegeben, die bei Fastenopfer in Deutsch, Französisch und Italienisch bezogen werden können.

 

Wichtige Themen in Rom waren zudem die Jugendsynode vom Herbst 2018, denn der Klimawandel bedroht die Zukunft der Jugend weltweit. Indigene Gemeinschaften und unsere Partnerorganisation REPAM unterstrichen zudem die Bedeutung der Amazonas-Synode 2019, die das weltweite Augenmerk auf die Zerstörung, aber auch die Zukunft dieser wichtigen Weltregion legen müsse.

 

Landraub und Abholzung sowie Vertreibung der Menschen, für den Anbau von Soja und Palmöl und den Abbau von Rohstoffen, bedrohen die Menschen und das Ökosystem vor Ort und damit das Weltklima aller. Aus diesem Grund wird die katholische Kirche 2019 den Amazonas in den Mittelpunkt stellen.

 

Bernd Nilles findet dazu klare Worte: «Es gilt diese Region zu bewahren und zugleich von den nachhaltigen Lebensstilen und Landwirtschaftsmodellen der lokalen Gemeinschaften zu lernen. Denn während in vielen Teilen der Welt Menschen ihre Lebensgrundlagen zerstören, schaffen es dort die Menschen, im Einklang mit der Natur zu leben und beispielsweise statt mit Pestiziden und Düngern agrarökologisch zu wirtschaften. » Sonja Kaufmann ergänzt: «In Rom ging es neben politischen und wirtschaftlichen Fragen auch stark um einen «inneren Wandel» hin zu einem einfacheren Lebensstil, der eine «ökologische Umkehr» erst möglich macht. Ohne diesen sehr persönlichen Wandel einer und eines jeden, bekommen wir weder die Klimakrise in den Griff noch erreichen wir ein gutes Leben für alle. Hier kann die Kirche wichtige Akzente setzen».  Fastenopfer dankte Papst Franziskus für seinen kürzlich gemachten Besuch in der Schweiz und seine klaren Worte, die uns in unserer Arbeit bestärken.

 

Gemeinwohl steht im Vordergrund

Angesichts des weitgehenden Versagens von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, den gefährlichen Klimawandel ernst zu nehmen, warnte Professor Hans Joachim Schellnhuber, einer der weltweit renommiertesten Klimaforscher, vor der Unbewohnbarkeit grosser Teile der Erde vor allem in Äquatornähe.  «Die hunderte Millionen betroffener Menschen, die durch unseren CO2-Ausstoss ihre Heimat verlieren werden, sollten einen weltweit gültigen Pass erhalten – eine Art «Klima-Green Card» – der es ihnen erlaubt, eine neue Heimat zu suchen.» An der Konferenz der katholischen Kirche erntete dieser Vorschlag viele Stimmen, würde er doch den Menschen helfen, und gleichzeitig das Ausmass der Klimakrise weltweit deutlich machen.

 

Papst Franziskus dankte und ermunterte im Einsatz gegen den Klimawandel. Auch erinnerte er an die bedrohte Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder: «Herausforderungen fehlen nicht. Ich gebe meiner grossen Dankbarkeit Ausdruck, für euer Engagement in Bezug auf den Schutz und die Pflege der Schöpfung, für einer sichere Zukunft für unsere Kinder und Enkel. Manchmal scheint es eine zu anstrengende Aufgabe zu sein, werden doch zu viele Partikular- und Wirtschaftsinteressen verfolgt, sodass leicht das Gemeinwohl übertrumpft und Informationen manipuliert werden, um die eigenen Pläne nicht zu gefährden. Doch die Menschen sind imstande, das Schlimmste zu bewältigen und sind auch in der Lage, über sich selbst hinauszuwachsen, um zu erkennen, was gut ist, um einen neuen Anfang zu machen. Bitte, arbeiten Sie weiter für die radikale Veränderung, wie die gegenwärtigen Umstände es erfordern.»

 

An der Laudato Si’ Konferenz trafen sich 400 Vertreter/innen aus Kirche, Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Am Samstag 7.7.2018 nahm Fastenopfer an weiterführenden Gesprächen in Rom teil, um die Ergebnisse der Konferenz in nächste Handlungsschritte umzusetzen. Dabei spielte auch die UN-Klimakonferenz COP24, zur Umsetzung der Pariser Klimaziele, eine wichtige Rolle https://unfccc.int/ , in deren Vorfeld und vor Ort die katholische Kirche und Fastenopfer weitere Akzente setzen werden.