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Haiti

«Wir leben mit Krisen und Katastrophen»

29.07.2021
Ein starkes Erdbeben verschlimmert die sowieso schon prekäre Situation in Haiti.

Der gewaltsame Tod von Präsident Jovenel Moïse und die dramatische Situation im Land gingen weltweit durch die Presse. Doch die Fastenopfer Partnerorganisationen in Haiti kämpfen seit Jahren gegen chaotische und gefährliche Zustände.

Nach dem Mord an Präsident Moïse standen die Partnerorganisationen unter Schock und waren entsetzt über die gewaltsame Tat durch ein ausländisches Kommando. Ihre Reaktion darauf: «Wir sind machtlos, dennoch geht die Arbeit weiter. Wir haben schon vor langem gelernt, auch in Ausnahmesituationen zu funktionieren. Wir leben mit Krisen und Katastrophen.» Der getötete Präsident Jovenel Moïse kann gewissermassen als Opfer des von ihm praktizierten, aus dem Ruder gelaufenen Systems bezeichnet werden.

 

Gefährliche und chaotische Zustände

Nicht erst seit seinem gewaltsamen Tod haben die Vertreter*innen der Fastenopfer Partnerorganisationen in Haiti mit den gefährlichen und chaotischen Zuständen zu kämpfen. Bereits seit Wochen ist die Nationalstrasse, die in den Süden des Landes führt und eine der wichtigsten Verbindungsstrassen ist, durch Bandenkriege blockiert und nur unter akuter Lebensgefahr passierbar. Die Politik ist hilflos und untätig. Gleichzeitig zeigt die rasche Verhaftung der möglichen Mörder von Präsident Moïse, dass die Institutionen ihre Arbeit durchaus machen können. Doch nach wie vor ist unklar, wer die Strippenzieher waren, wer die Söldner bezahlt hat, die möglicherweise nicht einmal wussten, wen sie umgebracht haben.

 

Rivalisierende Gangs

Seit über einem Monat kann an den Treibstoffstationen kein Benzin mehr gekauft werden. Einzig im Strassenhandel gibt es Benzin zu überteuerten Preisen, das entweder verdünnt oder gepanscht wird. In den Quartieren der Hauptstadt Port-au-Prince rivalisieren die Gangs untereinander. Sie kontrollieren die Quartiere, entführen Menschen und verlangen für sie exorbitant hohe Lösegelder. Die Familien der Entführungsopfer stammen mehrheitlich aus der Mittelschicht, aber auch aus ärmeren Familien. Durch das Zahlen der hohen Lösegeldforderungen verlieren sie ihre Lebensgrundlage und verarmen. Viele Gangmitglieder haben, insbesondere während den Wahlen, ihre Dienste als Sicherheitskräfte an Politiker verkauft. Auch wenn die Unruhen sich auf die Hauptstadt Port-au-Prince beschränken, betrifft die Situation die Menschen im ganzen Land. Gerade auch, weil Haiti ein sehr zentralisiertes Land ist. Die Bäuerinnen und Bauern aus dem Landesinnern sind durch die sporadisch blockierten Strassen stark eingeschränkt. Um ihre Lebensmittel in der Stadt zu verkaufen, müssen sie eine komplizierte, oftmals auch gefährliche Reise auf sich nehmen. Sie kommen erst nach Tagen in der Hauptstadt an, in der Zwischenzeit verderben die Lebensmittel.

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