20 Jahre Weltsozialforum vom 23.-31. Januar 2021

Für eine nachhaltige Umverteilung von Reichtum und Macht

20.01.2021
Markus Brun

2001 war nicht nur das Jahr von 9/11 und der Beginn von Wikipedia: Es fand auch das erste Weltsozialforum in Porto Alegre/Brasilien statt. Fastenopfer beteiligt sich seit 2003. Markus Brun, Leiter der Entwicklungszusammenarbeit von Fastenopfer, berichtet von diesen ermutigenden weltweiten Treffen.

Als Schweizer wusste ich, dass sich jedes Jahr im Januar führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik in Davos treffen. Das Weltwirtschaftsforum WEF fand in den Medien viel Beachtung. Weniger bewusst war mir, dass 2001 zeitgleich zum WEF in Brasilien das Weltsozialforum WSF unter dem Thema «Die Welt ist kein Markt» tagte. Es brachte Menschen aus 122 Ländern zusammen, Aktivistinnen und Aktivisten aus Gewerkschaften, sowie nationaler und lokaler Politik, darunter viele Jugendliche und Indigene. Das Weltsozialforum WSF versuchte selbstbewusst, eine alternative Zukunft zur neoliberalen Globalisierung zu entwickeln. Das Forum definierte sich von Anfang an als offenen Raum – plural, vielfältig, unabhängig von Staaten und Parteien. Hier trafen sich Bewegungen und Organisationen, die sich mit konkreten Aktionen für eine solidarischere, demokratischere und gerechtere Welt engagierten, Menschen, die überzeugt sind, dass eine andere Welt möglich ist

Die Dachorganisation der katholischen Hilfswerke Cidse, zu denen auch Fastenopfer gehört, spielte von Anfang an eine aktive Rolle im WSF. Cidse ist Mitglied des Internationalen Rates, der die Gründungserklärung des Forums verabschiedete. Bis heute hat Cidse zu fast allen der 16 Treffen des WSF internationale Delegationen organisiert. Ich war im Jahr 2003 zum ersten Mal dabei, zusammen mit rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anderer Cidse-Mitgliedsorganisationen. Die Cidse-Arbeitsgruppe zu sozialer Gerechtigkeit beteiligte sich an Veranstaltungen zur Entwicklungsfinanzierung. Die verschiedenen Workshops waren nicht nur interessant, sondern auch eine hervorragende Gelegenheit, sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Fastenopfer-Partnerorganisationen zu treffen und auszutauschen. Die Tage und Nächte waren lang: viel Stoff zum Nachdenken, Diskussionen um mögliche weitere Strategien, aber manchmal auch eine Schule für Geduld, wenn Referentinnen und Referenten mit ihren Analysen nicht zum Ende kamen.

2004 war ein wichtiger Meilenstein des WSF: Es wurde wirklich global und fand in Mumbai/Indien statt. Ein Jahr später – wieder in Porto Alegre – startete Cidse eine Kampagne, bei der die Mitgliedsorganisationen von ihren jeweiligen Staaten nicht nur Steuergerechtigkeit, sondern auch 0,7% des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklung forderten Eine Kampagne, die in der Schweiz ein grosser Erfolg wurde, da das Parlament fünf Jahre später offiziell eine 0,5%-Politik für die Entwicklungszusammenarbeit einführte.

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2007 wurde das WSF erstmals in Afrika, in Nairobi/Kenya, organisiert. Cidse konzentrierte sich auf ein Panel mit der UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, und setzte seine koordinierte Arbeit rund um die Finanzen fort. Beeindruckend war die Abschlussveranstaltung: Es gab keine karnevaleske Party durch die Stadt Nairobi, wie wir es aus Brasilien gewohnt waren, sondern einen Marsch durch den Kibera-Slum: Tausende von Menschen drückten still ihre Solidarität mit denen aus, die fast nichts zu essen haben. Zwei Jahre später ein wunderbares Forum in Belem, im brasilianischen Amazonasgebiet: bunt und festlich. Allerdings dank viel Regen auch sehr nass. Cidse und seine Partnerorganisationen nahmen ihre in Nairobi begonnenen Aktivitäten rund um den Rohstoffabbau wieder auf.

2011 kam Cidse-Generalsekretär Bernd Nilles mit einer grossen Delegation aus Brüssel nach Dakar. Sein Ziel war nicht nur Networking und Strategiearbeit, sondern erfolgreiche Medienarbeit – und zumindest ein bisschen Party: Zum ersten Mal organisierte Cidse eine Abendveranstaltung für Partnerorganisationen und die Mitarbeitenden der Mitgliedorganisationen.

2013 und 2015 machte das WSF in Tunis Station. Cidse diskutierte mit seinen Partnern vor allem über Paradigmenwechsel in der Entwicklung und begann seine Überlegungen zu neuen Wegen der globalen Zusammenarbeit und zum Systemwandel. 2016 ein neuer Meilenstein: das erste WSF in einem nördlichen Land. Es war schwierig, Visa für Kolleginnen und Kollegen aus südlichen Ländern zu bekommen, aber die Mobilisierung der sozialen Bewegungen in Kanada war beeindruckend. Inspiriert durch den Papst wandte sich Cidse der katholischen Soziallehre zu: Laudatò Si wurde ein wichtiger Ansporn, sich weiterhin mit den globalen Herausforderungen wie den Auswirkungen des Klimawandels, destruktiven Finanzsystemen und Hunger zu beschäftigen. 2018 ging es zurück nach Brasilien: In Salvador di Bahia fand das letzte physische Weltsozialforum statt.

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Jetzt – zum 20. Jahrestag des wichtigsten globalen Prozesses, der glaubt und dafür eintritt, dass eine andere Welt möglich ist – muss er sich neu erfinden, er muss Online gehen. Möge dieses innovative Format es weiterhin ermöglichen, Synergien und Aktionen zu schaffen, um einen echten Wandel zu erreichen, der zu einer gerechten und nachhaltigen Umverteilung von Reichtum und Macht auf der Welt führt!