Wandel muss auch die Ursachen von Gewalt bekämpfen

19.01.2017

Ximena González hat sich in Kolumbien auf Umweltrecht spezalisiert. Die Anwältin engagiert sich dort für Tierra Digna, eine Partnerorganisation von Fastenopfer. Sie sagt, weshalb die Friedensgespräche wertvoll waren und was es braucht für eine gerechtere Gesellschaft.

 

«Meine Überlegungen kommen aus Kolumbien, einem Land, das in der internationalen Öffentlichkeit für den längsten bewaffneten Konflikt in der westlichen Hemisphäre bekannt ist, der 8 Millionen Opfer abscheulicher Verbrechen forderte. Weniger bekannt ist, dass Enteignungen, die gewaltsame Aneignung von grossen Mengen Land und natürlichen Ressourcen sowie die Existenz eines ausschliessenden politischen Systems zu den Hauptgründen für diesen Konflikt gehören.

 

Kolumbien hat einen enormen natürlichen und kulturellen Reichtum, ist reich an Wasser und beheimatet einige der wichtigsten strategischen Ökosysteme, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen. Viele Jahre lang wollten verschiedene Regierungen die politische und soziale Krise im Land mit militärischen-extraktivistischen Ansätzen von oben nach unten «überwinden». Sie setzten auf den militärischen Kampf gegen die Guerillas, auf die Stärkung der Streitkräfte und auf private Investitionen von multinationalen Konzernen, um Grossprojekte im Bergbau und der Energiegewinnung zu realisieren – mit fatalen Auswirkungen für die Achtung und den Schutz der Menschenrechte.

 

Seit vier Jahren nun hört sich die Regierung auch die Forderungen der Opferorganisationen an, um in den Verhandlungen mit der Farc-Guerrilla ein Friedensabkommen mit differenzierten Lösungsansätzen in Bezug auf Geschlechter, Ethnien und Territorium durchzubringen. Die Vereinbarung wurde am 26. September unterzeichnet, ihre Umsetzung bleibt jedoch eine grosse Herausforderung.

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«Ideen, die die Welt verändern, kommen selten von denen, die an der Macht sind.» Ximena González

Die Friedensgespräche waren nicht nur wertvoll, weil sie zwischen historischen Gegnern stattfanden, sondern auch, weil sie nicht einer aufgezwungenen und ausschliessenden Politik folgen. In die Vereinbarung eingeflossen sind auch Vorschläge und Forderungen, die viele Gesellschaftsteile seit Jahren fordern. Doch für den Wandel hin zu einer gerechteren Gesellschaft reicht die gemeinsame Schaffung von Szenarien zur Beendigung der Gewalt nicht. Es müssen auch deren Ursachen bekämpft werden.

 

Gesellschaftlicher Wandel ist nur möglich, wenn der Zugang zu Land und zu Reichtum demokratisiert wird und traditionell marginalisierte Gesellschaftsschichten in die Politik einbezogen werden.

 

Das Zu-Tode-Weihen von Gemeinschaften, Umweltverschmutzungen und Krankheiten im Namen der Entwicklung darf es nicht mehr geben. Ideen, die die Welt verändern, kommen selten von denen, die an der Macht sind, sondern meist von den Gemeinschaften und Gruppen, die unter Ungerechtigkeiten leiden und Durst nach Wandel haben.

 

Die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Herausforderungen unseres Landes sind ein Beispiel für die Herausforderungen der Menschheit, Gesellschaften zu schaffen, die ein- anstatt ausschliesen. Gesellschaften, denen die Koexistenz von Unterschieden am Herzen liegt, die für ein respektvolles Nebeneinander von Individuen, Gemeinschaften, Nationen und Lebewesen stehen, weit weg von Herrschaft, Ehrgeiz, Ausgrenzung, Gewalt und Arroganz, den auffälligsten Mustern unserer Zivilisation.»

Lesen Sie mehr dazu in unserer neusten Publikation des «Perspektiven».

 

 

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