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Klima: Von der einen Krise für die andere lernen

05.05.2020
Stefan SalzmannStefan Salzmann

Es fällt schwer, nach den letzten Wochen über die Notwendigkeit zu schreiben, den Konsum zu reduzieren. Und dennoch müssen wir das tun, wenn wir die nächsten Krisen verhindern wollen: Die in vielen Ländern des Südens bereits akute Klimakrise, die Übernutzung natürlicher Ressourcen, der Verlust der Biodiversität.

Wir alle waren betroffen von den Corona-Herausforderungen und wir alle kennen andere, die es härter traf: Krankheit, Unsicherheit, Arbeitslosigkeit, Verschuldung. Meine Gedanken drehten sich für eine Weile weniger um die in Armut lebenden Menschen in fernen Ländern sondern um Familienmitglieder und Nachbarn – mir liebe Menschen die wir über Wochen nur am Telefon oder über den Gartenzaun hinweg sehen durften. Wir mussten uns zu Hause gegenseitig aushalten: Wir haben Homeschooling und Kinderbetreuung plötzlich ohne Unterstützung von KiTa und Fussballverein gemacht. Wir ertrugen die soziale Kontrolle der Nachbarn, die mitzählten, mit wie vielen Leuten ich mich auf der Strasse unterhielt oder wie nahe ich dem Handwerker kam, wenn ich ihm einen Kaffee offerierte. Aber es ging uns auch gut dabei.

Unser Land erholt sich langsam und ich bin froh um bisher gesunde Staatsfinanzen und um kreative Köpfe dank einem gutem Bildungssystem. Wir haben uns solidarisch gezeigt und auf diesem guten Gefühl schauen wir auf die bevorstehenden Herausforderungen zur Bewältigung der Krise.

Wir schaffen das!

Diese Bewältigung aber – dies mein Appell – sollte nicht darin bestehen, wieder zum gleichen Leben zurückzukehren. Und wenn ich «wir» schreibe, dann meine ich uns alle – mich, meine Familie, meine Nachbarn, Sie und die Anderen. Wir alle können an Samstagen im Wald spazieren statt shoppen gehen. Wir können zum Teil im Homeoffice arbeiten, anstatt jeden Tag zu pendeln. Wir halten internationale Sitzungen online ab statt ins Flugzeug zu steigen. Wir machen Velotouren statt Ausflüge ins Trampolin-Zentrum und ins Möbelgeschäft. Junge Menschen haben Solidarität gezeigt gegenüber Alten und Schwächeren, sich als verantwortungsvolle Bürger/innen bewiesen und Corona eingedämmt bevor es zu einer Überforderung unseres Gesundheitssystems kam. In der Klimakrise zählen die Jungen nun auf die Solidarität der Älteren – unser Lebensstil muss jetzt ändern nicht erst wenn die heute Jungen die Älteren sind.

Shopping, Geschäftsflüge und Spritzfahrten werden nicht verboten sein nach Corona, aber sie zu reduzieren, ist nicht nur der Weg aus der Corona-Krise – es trägt auch bei zur Lösung der Klimakrise bei. In vielen Programmländern von Fastenopfer zeigt der Klimawandel bereits verheerende Folgen für die Menschen, verstärkt Hunger, Armut und Migration. Von den neu zu entwickelnden Strategien wird abhängig sein, wie wir die Klimakrise bewältigen können.

Corona hat uns gezeigt, dass vieles möglich ist, was wir uns nicht vorstellen konnten.

Stefan Salzmann, Fachverantwortlicher Energie und Klimagerechtigkeit bei Fastenopfer

 

 

Hinweis, Klimagespraeche

6 Tipps, um den Klimawandel zu stoppen

Zur Bewältigung von Krisen braucht sowohl Individuen wie sinnvolle politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Den Individuen kommt eine wichtige Rolle zu: Wir können unser Verhalten und unsere Handlungen steuern. 

1.Über eine kohlenstoffarme Zukunft nachdenken

Grundlage für ist Bewusstsein und Wissen über den eigenen Ressourcenverbrauch, seinen eigenen ökologischen Fussabdruck. Um mehr über diesen zu erfahren, kann sich dafür anmelden bei «Le climat entre nos mains». Es ist wichtig zu wissen, wo das eigene Verhalten am meisten Potential hat, den Ressourcenverbrauch zu verringern. Je schneller wir die wichtigen Schritte angehen, desto mehr hilft es der Umwelt, dem Klima und dadurch auch den Armen der Welt.
Oder melden Sie sich dazu für die Klimagespräche von Fastenopfer und Brot für alle an.

2. Energie zu Hause

Für den schweizerischen Durchschnitt gilt: Rund ein Drittel der Energie, die wir als Individuen verbrauchen, fällt beim Wohnen an, dafür brauchen wir Strom und fossile Energieträger. Daran etwas zu ändern ist schwierig und braucht eine langfristige Strategie und einen langen Atem. Dennoch kann man viel tun.

Mieter/innen

  • Ökostrom beziehen – jeder Anbieter bietet eine Auswahl. Erkundigen Sie sich und bezahlen Sie den Aufpreis.
  • Weniger heizen – ein Grad weniger reduziert den Fussabdruck um bis zu 6 Prozent: Heizung ausschalten, wenn man in die Ferien fährt; Fenster nur zum Lüften öffnen.
  • Führen Sie ein Gespräch mit ihrem Vermieter – und zeigen Sie sich als bewusste Konsumentin von Energie. Fragen Sie nach Heizsystem und Rohstoff für die Heizung, wann die Heizung eingesetzt wurde und wann Sie ersetzt werden muss. Wann wurde etwas getan für die Wärmedämmung in den Hauswänden? Gerade wenn die Antworten abweisend oder ausweichend sind, ist die Botschaft angekommen.

Hausbesitzer/innen

  • Suchen Sie nach einer Energieberatung in ihrer Umgebung. Fachexpert/innen werden ihr Haus anschauen, Kostenschätzungen machen und mögliche nächste Schritte mit Ihnen planen. Solche Beratungen machen Sinn, weil die Reihenfolge und Umfang von Massnahmen aufeinander abgestimmt sein sollten.

3. Reisen und Mobilität

Wir pendeln, machen Ferien, nehmen an Meetings von internationalen Netzwerken teil. Doch das heutige Ausmass an Mobilität ist nicht zukunftsfähig. Selbst wenn alle Fahrzeuge elektrisch betrieben würden, brauchen die Batterien grosse Mengen an seltenen Erden und Energie aus Kraftwerken.

  • Keine Flugreisen in Europa – den Zug nehmen auch wenn es teurer ist. Die Zugreise gehört mit zum Erlebnis – ein Buch lesen, sehen, wie sich draussen die Landschaft sich langsam verändert, erleben, wohin man sich bewegt.
  • Einen Tag Homeoffice machen, statt pendeln.
  • Im Zug zu Arbeit und unterwegs die Sozialen Medien bearbeiten – Zeit gewinnen und den vollen Zug aushalten, dafür Zeit gewinnen statt alleine im Auto die Ruhe zu geniessen.

4. Nahrung und Wasser

Zu diesem Thema hat Fastenopfer bereits viele Kampagnen organisiert. Hier ein paar konkrete Ratschläge, die Energie und Ressourcen sparen:

  • Kein Mineralwasser in Flaschen einkaufen.
  • Beim Einkauf: bio – lokal – saisonal.
  • Weniger Fleisch essen.
  • Weniger Produkte aus Übersee kaufen.
  • Weniger Fertigprodukte kaufen

5. Konsum und Abfall

  • Abfall trennen, auch Nespresso-Kapseln richtig entsorgen
  • Ein Gemüseabonnement oder der Einkauf im Hofladen hilft nicht nur, den Abfall zu reduzieren.
  • Besuchen Sie mal den nächsten Unverpackt-Laden – Sie finden ihn mit Google.
  • «Verpackungs-Fasten» geht, ist aber nicht einfach!

6. Weniger ist mehr – diskutieren mit Freunden und Familie

Die Gespräche darüber, wie man weniger Ressourcen verbrauchen kann, sind wichtig. Und sehr schwierig zugleich. Es gibt kein Rezept dafür. Ausser vielleicht dieses: positiv bleiben – von gewonnenen Momenten erzählen statt mahnend andere zum Verzicht erziehen wollen. Selbstbewusst bleiben, nicht moralisch werden. Die eigene Freude teilen statt neidisch wirken. Zuhören. Wir überzeugen nicht mit guten Argumenten sondern mit guten Geschichten.

Quelle: Klimagespräche, ein Projekt von Fastenopfer und Brot für Alle

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