Rating von Elektronik-Firmen

Von Apple bis Huawei: Gewinn kommt vor Arbeitsrechten

21.11.2017
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Bern / Luzern, 21. November 2017. Ausbeutung von Studierenden als Billig-Arbeitskräfte, unbezahlte Überstunden und Löhne, die nicht zum Leben reichen: In der Handy- und Computerindustrie bleiben die Arbeitsrechte ein wunder Punkt. Vor allem der neue Marktgigant Huawei und HTC haben noch viel zu tun. Dies zeigt das dritte Rating der zehn IT-Firmen mit dem grössten Schweizer Marktanteil von Brot für alle und Fastenopfer. Die Entwicklungsorganisationen fordern die Schweizer Universitäten auf, nur verantwortungsvoll produzierte IT-Geräte zu kaufen und dazu der Organisation Electronics Watch beizutreten.

Hype hoch zehn: Die Lancierung des iPhone X führte Anfang November wieder zu turbulenten Szenen vor vielen Apple Stores – und zu guter Stimmung auf der Teppichetage des US-Konzerns. Doch auch ein Jahrzehnt nach Beginn der Smartphone-Ära haben die Menschen, die das profitabelste Gerät der Elektronik-Welt produzieren, wenig Grund zum Feiern.

 

In chinesischen Apple-Zulieferbetrieben werden die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter massiv verletzt. Sie müssen gemäss Nachforschungen von SACOM, einer lokalen Partnerorganisation von Brot für alle, monatlich 80 bis 90 Überstunden leisten, um einen existenzsichernden Lohn zu erzielen. Zudem werden immer noch Studierende von Berufsschulen unter dem Vorwand von «Praktika» als Billig-Arbeitskräfte missbraucht. Problematisch ist, dass die Markenfirmen die Schuld an den Missständen oft ihren Zulieferfirmen in die Schuhe schieben, obschon sie über den Preis- und Lieferdruck, den sie auf diese ausüben, die Hauptverantwortung dafür tragen.

 

Das aktuelle IT Marken-Rating von Fastenopfer und Brot für alle bestätigt den Befund von SACOM, dass besonders im Bereich der Arbeitsrechte noch viel geschehen muss. Obwohl Apple und HP insgesamt recht gut dastehen, sind im Vergleich zu 2014 bei beiden Rückschritte zu beklagen. Dell und das Mittelfeld um Acer, Sony und Samsung machten dagegen Boden gut. Ganz am Schluss liegen HTC und Huawei, der weltweit zweitgrösste Handy-Produzent, der auch in der Schweiz eine aggressive Wachstumsstrategie verfolgt. Beide Firmen lassen jegliche Transparenz vermissen und hüllen sich in Bezug auf Lieferanten und Produktionsbedingungen in einen Mantel des Schweigens.

 

Verbesserung bei Konfliktmineralien

 

Es gibt aber auch Lichtblicke, vor allem bei der Beschaffung von Konfliktrohstoffen wie Koltan oder Kobalt. Dies ist primär auf Gesetze in den USA und in der EU zurückzuführen – ein weiterer Beleg für die Tatsache, dass Konzerne bei der Unternehmensverantwortung nur dann vorwärts machen, wenn sie durch Vorschriften dazu angehalten werden. Auch im Umweltbereich sind Verbesserungen festzustellen. So packen die Firmen an der Spitze des Ratings – Apple, HP und Dell – das Problem der Giftstoffe in ihren Produkten endlich an, während im Mittelfeld – Lenovo, Acer, Asus, Samsung, Sony – zwar Problembewusstsein, aber noch kaum Taten erkennbar sind. Die Schlusslichter HTC und Huawei foutieren sich auch in dieser Beziehung weitgehend um die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiterschaft.

 

Das Rating von Brot für alle und Fastenopfer soll Konsumentinnen und Konsumenten als Richtlinie für den Kauf von IT-Produkten dienen. Mit einem öffentlichen Aufruf werden zudem Schweizer Universitäten aufgefordert, der Organisation Electronics Watch beizutreten. Die Organisation unterstützt öffentliche Auftraggeber dabei, ihre Verantwortung für den Schutz der Arbeitsrechte in der globalen Lieferkette der Elektronikindustrie wahrzunehmen. Das gleiche Ziel verfolgt eine Reihe von Veranstaltungen im Rahmen einer «Campus Tour» in Zusammenarbeit mit der Studentenorganisation AIESEC.

Rückfragen und Interviews:

Lorenz Kummer, Medienverantwortlicher Brot für alle, Mail, 079 489 38 24
Karin Mader, Programmverantwortliche Menschenrechte im Elektroniksektor, Brot für alle und Fastenopfer, Mail, 031 380 65 82

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