Tag der Frau: «Geschlechter-sensible Arbeit ist kein Luxus, sondern eine Pflicht»

08.03.2018

Heute ist Tag der Frau und – ob es Lohngerechtigkeit, persönliche Rollenbilder oder andere gesellschaftlichen Bereiche betrifft –heute ist auch für viele eine Gelegenheit, sich für Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern einzusetzen. Weshalb dieser Fokus bei Fastenopfer ein elementarer Bestandteil in der Projektarbeit ist, erläutert Romana Büchel, Fachverantwortliche Geschlechter-Gerechtigkeit.

Niemand, der über langjährige Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit verfügt, wird bestreiten, dass eine ausgeglichene und gerechte Vertretung der Geschlechter in den Projekten der Schlüssel für deren Erfolg ist.

 

In der fast 60jährigen Praxis-Erfahrung von Fastenopfer zeigt sich immer wieder, dass es insbesondere Frauen in den Ländern des Südens sind, die die Entwicklung vorantreiben. Sie sind es, die hauptsächlich für die kleinbäuerliche Landwirtschaft, für den informellen Handel, für die Versorgung und Betreuung der Haushaltsmitglieder zuständig sind und welche die überlebenswichtigen sozialen Netze pflegen. Und es sind in der Regel die Frauen, welche mit den vorhandenen Ressourcen haushälterisch umgehen. Dieser Tatsache muss eine sorgfältige Entwicklungszusammenarbeit Rechnung tragen und Frauen wie auch Männer gezielt stärken und dies in der Berichterstattung auch ausweisen.

 

In unserem Indien-Programm konnten sich beispielsweise in den letzten sechs Jahren 105‘000 Frauen und 100‘000 Männer durch ihre Selbstorganisation in Spargruppen selbstständig aus der Schuldknechtschaft befreien. Dieses Resultat können wir nur aufgrund von nach Geschlechtern getrennt erhobenen Zahlen nachweisen.

 

Unterstützung, damit sich alle in die Gesellschaft einbringen können

 

Geschlechter-sensible Analysen zeigen auch, dass Frauen in vielen Kontexten in besonderer Weise negativ von externen Umständen betroffen sind: Wo beispielsweise Rohstoffe abgebaut werden, suchen sich Frauen als Kleinschürferinnen und Bäuerinnen ihr Einkommen, sie bleiben als alleinerziehende Mütter zurück, wenn Männer auf Arbeitssuche weggegangen sind. Andere versuchen, rund um Minen als Köchinnen, Sexarbeiterinnen etc. über die Runden zu kommen.

 

Um hier positive Veränderungen zu bewirken, analysieren unsere Partnerorganisationen sorgfältig die gesellschaftlichen Rollen wie Gewaltfaktoren, mögliche Existenzgrundlagen und unterschiedliche Einflussmöglichkeiten von Frauen und Männern. Insbesondere Frauen, die sich für ihre Gemeinden als Bäuerinnen, Arbeiterinnen oder Mütter für ihre Rechte wehren, werden miteinander verbunden und unterstützt. Durch die Vernetzung und Schulung erhalten sie mehr gesellschaftlichen Einfluss, können Gerechtigkeit bezüglich Landnutzung, natürlichen Ressourcen einfordern und sich langfristig für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen.

 

Geschlechtersensible Arbeit – und Berichterstattung – ist also kein Luxus, von welchem man die Deza und alle anderen Entwicklungsorganisationen «entschlacken» muss, wie dies in Vergangenheit auf politischer Ebene gefordert wurde. Vielmehr zeugt es von deren Redlichkeit, Sorgfalt und Transparenz. Nicht zuletzt das Parlament verlangt von der Deza zahlreiche Berichte, um die Wirkung von Entwicklungszusammenarbeit nachzuweisen. Eine umsichtige Berichterstattung sind wir nicht nur den Steuerzahlern und Steuernzahlerinnen sowieunseren Spenderinnen und Spendern schuldig, sie erlaubt uns auch die Planung von gezielteren Interventionen, welche beiden Geschlechtern zugutekommen.

 

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