Fastenopfer: Einsatz für Klimaziele und Menschenrechte

02.12.2019

«Die Klimakrise zwingt uns, unsere Welt neu zu gestalten. Dieser Wandel soll nicht auf Kosten bedrohter Indigener und Bauerngemeinschaften geschehen. Dafür setzt sich Fastenopfer an der Klimakonferenz ein.»

David Knecht, Programmverantwortung Klima und Energie, Fastenopfer

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UNO Klimakonferenz cop25 titelbild

Anfang Dezember findet in Madrid die COP25 - die jährliche Klimakonferenz der UNO - statt. Gemeinsam mit seinen Allianzpartnern wird Fastenopfer vom Klimawandel bedrohten Indigenen und Bauerngemeinschaften eine Stimme geben. So dass deren Anliegen wahrgenommen und Schutzmechanismen für sie eingebaut werden.

Brasilien hat ein ambitioniertes Klimaziel verkündet. Zwischen 2005 und 2025 sollen die Treibhausgas-Emissionen um 37 Prozent reduziert werden. Um dieses zu erreichen, soll der Energiemix des Landes bis 2030 zu 45 Prozent aus erneuerbaren Energien bestehen. Dafür sind unter anderem viele Wasserkraftwerke geplant.

Kurzsichtige Lösungen entlarven

Im Bundesstaat Mato Grosso, im brasilianischen Amazonas erlebt die Fastenopfer-Partnerorganisation Opan direkt, wie eine schlechte Umsetzung der Ziele auf Kosten der benachteiligten Bevölkerung geschieht. Im Einzugsgebiet des Flusses Juruena sind 127 kleine und mittelgrosse Wasserstaudämme geplant. Diese bedrohen die Lebensgrundlagen der lokalen indigenen Bevölkerung. Denn der Wasserfluss verändert sich drastisch, Fischpopulationen schwinden, heilige Orte sind nicht mehr zugänglich. Und schliesslich kommt die produzierte Energie nicht ihnen selbst zugute, sondern wird direkt ins nationale Netz eingespeist, von dem vor allem Städte ihren Strom beziehen.

Deshalb setzt sich die von Fastenopfer unterstützte Organisation der indigenen Gemeinschaften Opan dafür ein, dass falsche Lösungen als solche enttarnt und gesellschaftsfähige Lösungen gesucht und verbreitet werden. Gerade für die brasilianische Organisation Opan ist es je länger je wichtiger, auf der internationalen Ebene mehr Druck auf die Regierung machen zu können. Denn in Brasilien wird die Zivilgesellschaft je länger je mehr von der aktuellen Regierung eingeschränkt und Aktivistinnen und Aktivisten bedroht.

Sozial verträgliche Lösungen suchen

Die Partnerorganisation Censat in Kolumbien arbeitet an solchen gesellschaftsfähigen Lösungen: Sie führen lokale, dezentrale Energielösungen ein, wie solarbetriebene Wasserpumpen zur Bewässerung agrarökologischer Landwirtschaft oder gemeinschaftlich verwaltete kleine Biogasanlagen, die beispielsweise zur Verarbeitung von Kakao genutzt werden.

Denn die UNO-Klimaziele greifen zu kurz, wenn sie «nur» die Senkung der Treibhausgas-Emissionen überwachen. Es ist wichtig, bei der dringend notwendigen Umsetzung der vertraglich bindenden Ziele die sozialen Aspekte einzubeziehen. Für diese soziale Dimension setzen sich Fastenopfer und seine Allianzpartner an der Klimakonferenz in Madrid ein. Gemeinsam mit dem Netzwerk katholischer Entwicklungswerke Cidse ist eine offizielle Veranstaltung zu diesem Thema geplant, um die Anliegen der indigenen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen einzubringen.

Der Handel mit Treibhausgas-Zertifikaten ist keine langfristige Lösung

An den Verhandlungen in Madrid geht es auch konkret darum, den Marktmechanismus zum Handel von Emissionsreduktionen zu bestimmen. Der Bundesrat möchte auf diesen Mechanismus setzen, um die Schweizer Klimaziele zu erreichen. Dieser Handel hat zum Ziel, dass die Treibhausgase, die an einem Ort ausgestossen werden – also zum Beispiel in der Schweiz – an anderen Orten der Welt mit konkreten Massnahmen vermieden werden – zum Beispiel mit Windkraftwerken statt Dieselgeneratoren in Madagaskar. Dahinter steht die Idee, dass es für das Klima – anders als beim Wasser oder der Luftverschmutzung – nicht darauf ankommt, wo die Treibhausgase ausgestossen oder wo sie eingespart werden.

Fastenopfer ist der Meinung, dass ein solch globaler Handel am Ziel vorbei führt: Die wohlhabende Schweiz soll die Verantwortung für ihre Treibhausgasemissionen voll übernehmen und die Reduktionen im Inland erreichen. Darüber hinaus besteht die akute Gefahr, dass der Handel mit Treibhausgasemissionen falsche Anreize setzt und Klimaprojekte mit verheerenden sozialen Schäden fördert.

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