Adivasi werden unabhängig dank Getreidesparkassen und Selbstversorgung

Von der Teeplantage zu eigenem Land

Die Modernisierung der Teeplantagen im Nordosten Indiens hat Tausende von Adivasifamilien in Elend und Hunger gestürzt. Ohne regelmässige Arbeit sind sie gezwungen Schulden zu machen oder in Städte abzuwandern. Das Projekt des Bistums Dibrugarh bietet ihnen Alternativen: Von der Getreidesparkasse bis hin zur Selbstversorgung auf eigenem Land.

Keine Arbeit, Hunger, Schulden – und Zinsen bis zu 300 Prozent

Seit 200 Jahren arbeiten und leben Adivasifamilien in den Teeplantagen im Nordosten Indiens. Doch ihr Auskommen hat sich in den letzten Jahrzehnten laufend verschlechtert. Die Plantagen haben ihre Produktion modernisiert. Heute stellen sie nur noch wenige Arbeiterinnen und Arbeiter auf Zeit an. Weil das regelmässige Einkommen fehlt, haben die Familien nicht das ganze Jahr genug zu essen. Sie sind gezwungen bei Geldverleihern Kredite aufzunehmen. Wenn sie diese wegen der hohen Zinsen nicht zurückzahlen können, werden ihnen die Felder weggenommen. Manche geraten in Schuldknechtschaft bei den Plantagenbesitzern. Andere wandern auf der Suche nach Arbeit in die Städte aus. Nach und nach verlieren die Adivasi auch ihre Identität und ihr Selbstbewusstsein als indigene Bevölkerung Indiens.

Selbstbewusstsein dank Sparkassen und traditionellen Werten

Das Projekt von Fastenopfer im Bistum Dibrugarh arbeitet mit 4500 Adivasifamilien in 130 Dörfern zusammen. Als erstes diskutieren die Adivasi die Ursachen ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage und debattieren mögliche Auswege daraus. Danach gründen sie nach Geschlechtern getrennte Getreidesparkassen. Die Trennung trägt dazu bei, dass die Frauen gestärkt werden: sie verwalten ihre eigenen Sparkassen und treffen eigene Entscheidungen. Das stärkt ihre Stellung innerhalb ihrer Gemeinschaften. Dank der Kassen können sich die Mitglieder gegenseitig in Notlagen Getreide ausleihen und sind nicht mehr von Plantagenbesitzern und Geldverleihern abhängig. Verschiedene Gruppen schliessen sich in Netzwerken zusammen. So können sie gemeinsam bessere Löhne verlangen und müssen nicht mehr auswandern. Bei ihren Versammlungen und an grossen Dorffesten beleben sie ihre Kultur neu. Im Zentrum der Rituale und Bräuche steht die Bewahrung des Bodens, des Waldes und der Gemeinschaft. Daraus schöpfen die Familien Selbstbewusstsein und Kraft.

Eigenes Land und Selbstversorgung dank Anbau von traditionellen Getreidesorten

Ein weiteres Ziel ist die Selbstversorgung. Seit 2018 erhalten die Adivasi dabei Unterstützung durch das staatliche Landwirtschaftsforschungsinstitut KVK, das sie mit indigenem, traditionellem Saatgut und Beratung zu agroökologischen Anbaumethoden versorgt. Gleichzeitig bemühen sich die Dorforganisationen, Landtitel für Häuser, Gemüsegärten und Landwirtschaftsland zu erhalten. Starke Dorforganisationen und regionale Netzwerke, die mit den zuständigen Regierungsstellen verhandeln und zusammenarbeiten können, sind die Voraussetzung dafür. Bisher haben die Adivasi im Projekt des Bistum Dibrugarh Landtitel für rund 1000 Hektaren beantragt und erhalten. Davon profitieren 1238 Familien.

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