Mit Spargruppen Verschuldung und Armut überwinden

Madagaskar ist in vieler Hinsicht eine paradiesische Insel: Es riecht nach Vanille, Nelken, Zimt und Pfeffer, man findet wunderbare tropische Früchte, es gibt sogar Tee, Kaffee und Kakao. Aber der Bevölkerung – man rechnet mit rund 24 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern – fehlt es an Trinkwasser, Gesundheitszentren, Schulen und Strassen. Mehr als 76 Prozent der Männer, Frauen und Kinder können ihren Grundbedarf von 2100 Kalorien pro Tag nicht das ganze über Jahr decken, fast jedes zweite Kind leidet unter Hunger. Die Elite des Landes zeigt wenig Interesse, diese desolaten Zustände zu verbessern. In dieser Situation muss die arme Bevölkerung sich selbst helfen.

Wer arm ist, gerät leicht in Geldnot und muss sich an die lokalen Geldverleiher wenden. Diese verlangen horrende Zinsen, 100 bis 300 Prozent sind keine Ausnahme. Das Projekt von Fastenopfer bietet Familien einen Ausweg an: Lokale Animatorinnen und Animatoren initiieren Spargruppen in den Dörfern. Die Mitglieder erstellen ein eigenes Reglement, das unter anderem festlegt, wie viel und wie oft Geld oder Lebensmittel in die gemeinsame Kasse einbezahlt werden. Mit den Ersparnissen können sich die Mitglieder in Notfällen gegenseitig mit zinslosen Darlehen aushelfen – wenn am Ende der Regenzeit die Reisvorräte zu Ende gehen, wenn jemand einen Unfall hat oder krank wird oder wenn alle Kinder gleichzeitig Schulmaterial brauchen. Die Gruppen unterstützen sich zudem gegenseitig bei der schweren Feldarbeit oder legen zusätzliche Felder mit Reis, Maniok oder Gemüse an. Auf diese Weise sind die meisten Mitglieder nach zwei bis drei Jahren entschuldet.

989 Spargruppen mit rund 15’000 Mitgliedern

Ende September 2018 begleitete die Nichtregierungsorganisation Tsinjo Aina Sava an der tropischen Ostküste Madagaskars, nördlich der Halbinsel Masoala, 989 Gruppen mit rund 15’000 Mitgliedern, 81 mehr als zu Beginn des Jahres. Bereits entschuldete Gruppen haben sich zu 171 Netzwerken zusammengeschlossen, damit sie auch auf Dorfebene eine Entwicklung in Gang setzen können. In Zusammenarbeit mit lokalen Behörden sowie auf Landwirtschaft oder Wasser spezialisierten Organisationen setzen sie sich tatkräftig für ein besseres Leben ein: Sie reparieren Strassen, bauen kleine Schulräume, organisieren Ausbildungen für neue Anbaumethoden, welche bessere Ernten für Reis oder Gemüse bringen. Sie bauen solide Brunnen oder lernen, wie man Trinkwasser aufbereiten kann.– und sie fordern von den lokalen Behörden, dass diese ihre Aufgabe ernst nehmen und sich für sie einsetzen. „Unsere Probleme sind nicht weniger geworden“, sagte ein Gruppenmitglied vor kurzem, „aber seit wir die Spargruppe haben, arbeiten wir besser zusammen und finden mehr Lösungen. Es geht uns jetzt besser.“

Unterstützen Sie die Menschen in Madagaskar

Unterlagen für Pfarreien zur Unterstützung von Projekten in Madagaskar

Hier

Weitere Projekte in Madagaskar

Spargruppen in Madagaskar lernen, Trinkwasser aufzubereiten

Rund 1600 Gruppen werden in Madagaskar begleitet, sich von ihren drückenden Schulden zu befreien.

Mehr