Profit wichtiger als Menschenrechte? Gold glänzt nicht für alle gleich

15.02.2016
Gold ist ein Luxusgut. Bevor es jedoch in Banktresoren lagert oder als Schmuck Menschen Glanz verleiht, werden rund um den Goldabbau vielerorts Menschenrechte verletzt und Landstriche vergiftet – so auch in Burkina Faso.

Fastenopfer arbeitet seit 1971 mit Partnerorganisationen in Burkina Faso zusammen. Burkina Faso ist ein Land in der Sahelzone; natürliche Ressourcen wie Wasser oder fruchtbares Land sind sehr knapp. Die Menschen haben gelernt, mit den prekären Bedingungen auszukommen, leben aber immer in einem labilen Gleichgewicht.

Nach 2005, als der Goldpreis immer weiter in die Höhe stieg, brach in Burkina Faso ein regelrechter Goldboom aus, der bis heute gravierende Auswirkungen hat. Denn Gold glänzt nicht für alle gleich. Die Bevölkerungsgruppen, mit denen die Partnerorganisationen von Fastenopfer arbeiten, erfuhren dies konkret: Einige langjährige Projekte sind in Gefahr, andere sind von den Auswirkungen der Goldminen beeinträchtigt oder durch die Erweiterung von Minen bedroht.

Wegen industrieller Goldminen werden ganze Dörfer umgesiedelt. Viele Bäuerinnen und Bauern verlieren ihr fruchtbares, über Jahre hinweg kultiviertes Land. Die Umsiedlungen haben auf die Lebensbedingungen der betroffenen Bevölkerung – insbesondere auf jene der Frauen – negative Auswirkungen, wie unsere Fallstudie aufzeigt. So wurden die durch die Goldminen bedingten Umsiedlungen oft ohne die nötige Sorgfalt und ohne Einbezug der betroffenen Frauen abgewickelt. Gerade letztere tragen aber schwer an den Konsequenzen. Zudem verunmöglichen die industriellen Minen den Menschen ihren kleinen aber wichtigen Nebenverdienst in der Kleinschürferei, der für Bäuerinnen und Bauern einen Notnagel in schwierigen Zeiten darstellte.

Bereits eine Studie von FIAN (Food First Informations- und Aktionsnetzwerk) im Frühling 2015 zeigte auf, wie durch die Umsiedlungen um die Mine Essakane in Burkina Faso das Recht auf Nahrung und Wasser verletzt wurde. Unsere eigenen Recherchen im Sommer 2015 vor Ort bestätigten die Befunde und verdeutlichten, dass auch bei der Mine Bissa Menschenrechte wie das Recht auf Nahrung, das Recht auf Wasser, das Recht auf Arbeit und auf Mitsprache beeinträchtigt wurden. Auch rund um die Mine Kalsaka, die bis Juli 2015 in Betrieb war, sind die negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt fatal.

Die Schweiz ist mitverantwortlich

Alle drei Minen sind staatlich lizenzierte, industrielle Minen. Das Gold aus diesen drei Minen wird oder wurde bis Juli 2015 in der Schweiz raffiniert. Die Schweiz spielt in Bezug auf den Goldhandel und die Goldverarbeitung eine wichtige Rolle: Jährlich wird Gold im Wert von 65 bis 110 Milliarden Franken in die Schweiz importiert, verarbeitet und wieder exportiert. Hier befinden sich die grössten Raffinerien: Sie verarbeiten rund 70 Prozent des Goldes weltweit. Welche Verantwortung haben diese Raffinerien? Wer kontrolliert die Lieferkette bezüglich Menschenrechtsverletzungen? Wie steht es um Sorgfaltsprüfungen und Transparenz? Welche Verbindlichkeiten und Verpflichtungen beinhalten die schweizerischen Gesetze? Diesen Fragen gehen wir nach.

Ziele der Studie

Ziel unserer Studie ist es, aufzuzeigen, welche Auswirkungen der Goldabbau auf die Menschen hat, die rund um Goldminen in Burkina Faso leben. Ebenfalls will sie verdeutlichen, wie Schweizer Unternehmen im globalen Goldgeschäft mitagieren und welche Verantwortung der Staat und die involvierten Unternehmen dadurch haben. Auch soll beleuchtet werden, warum die schweizerischen Gesetze für eine sorgfältige Kontrolle oder gar zur Verhinderung von möglichen Menschenrechtsverletzungen nicht ausreichen. Ebenso nimmt die Studie die freiwilligen Regulierungen der Goldbranche in den Fokus und beleuchtet ihre Wirkung.

Mit der Studie möchten wir aber auch zu Lösungsansätzen beitragen, damit Menschenrechtsverletzungen rund um den Abbau von Gold künftig verhindert werden.

Lesen Sie hier die Studie »

Mehr Informationen auf unserer Kampagnenseite www.sehen-und-handeln.ch

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