Palmöl heisst Landraub

11.09.2017

Bern/Luzern, 4. September 2017 – Das enorme Wachstum der Palmölindustrie führt zu Land Grabbing. Bei der Anlage der Plantagen werden Rechte der Menschen verletzt und Lebensräume zerstört. Nachhaltigkeit bei Palmöl gibt es nicht, auch nicht im Rahmen des Standards RSPO (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl). Darum fordern Brot für alle und Fastenopfer die Schweizer Detailhändler und Hersteller auf, weniger Palmöl zu verwenden.

Weltweit sind bereits über 190 000 Quadratkilometer Regenwald und Torfgebiete für Ölpalm-Plantagen verschwunden, mehr als viereinhalb Mal die Fläche der Schweiz.

Der lokalen Bevölkerung fehlt damit die Lebensgrundlage. Getrieben wird die Entwicklung vom Verbrauch an Palmöl für Nahrungsmittel, Reinigungsmittel und Kosmetika, im Ausland auch für Treibstoff.

Allein für die Schweiz zeigt die Zollstatistik, dass sich die Einfuhr von unverarbeitetem Palmöl in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdreifacht hat. Zusätzlich werden ähnlich grosse Mengen Palmöl als verarbeitete Produkte eingeführt, wie in einer Analyse des Bundesamtes für Umwelt bereits 2015 ausgeführt wurde. Nach Auskunft der Schweizer Detailhändler und der Verarbeiter steckt heute in rund jedem sechsten Produkt in den Läden Palmöl. Brot für alle und Fastenopfer fordern darum von den Schweizer Grossverteilern, den Verbrauch von Palmöl zu reduzieren.

Menschenrechte verletzt – trotz Nachhaltigkeitszertifikat

Nichtregierungsorganisationen weisen seit längerem auf die gravierenden Folgen des Anbaus von Ölpalmen hin. Die FAO, die Landwirtschaftsorganisation der Uno, bezeichnet die Ausdehnung der Ölpalmplantagen als eine der wichtigsten Ursachen für Abholzung. In Indonesien wachsen heute Ölpalmen auf mehr als der Hälfte der Fläche, wo sich vor wenigen Jahren noch vielfältiger Regenwald befand.

Als Reaktion wurde vor rund 15 Jahren die Organisation «Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl» (englisch RSPO) ins Leben gerufen. Dieser Standard für Plantagenbetreiber, Händler und Verarbeiter sollte sicherstellen, dass die Mitsprache und die Rechte der Menschen in den Anbaugebieten in den Tropen gewahrt bleiben. Doch die Realität ist anders, wie das Beispiel Indonesien zeigt.

Für das Jahr 2013 registrierte das Nationale Landbüro 3000 Landkonflikte zwischen Palmölkonzernen, darunter zahlreichen RSPO-Mitglieder, und lokalen Gemeinschaften.

Ein Beispiel: Auf vier zertifizierten Plantagen der indonesischen DSN Dharma Satya Nusantara-Gruppe – seit 2012 RSPO-Mitglied – wurden gravierende Probleme festgestellt: Die betroffenen Gemeinden wurden nicht oder nur unzureichend über die Landvergabe an den Konzern informiert und konsultiert; für die Bevölkerung wurde der Zugang zu ihren Feldern eingeschränkt; Primärwaldgebiete sind durch die Aktivitäten des Konzerns bedroht; die Wassermenge und -qualität der Flüsse hat sich massiv verschlechtert; es herrschen Unklarheiten über Höhe und Umfang der Entschädigungszahlungen.

Mehr «Greenwashing» als spürbare Verbesserungen

«Wir stellen keinen Unterschied zwischen RSPO-zertifizierten Plantagen und anderen fest», sagt dazu Anton Widjaya, Direktor von Walhi Westkalimantan. Weitere Recherchen von Walhi, einer Partnerorganisation von Brot für alle in Indonesien, zeigen, dass «RSPO-zertifizierte Unternehmen in den Regionen Kapuas Hulu and Sintang grundlegende RSPO-Regeln verletzt haben»: Im Einzelnen ergaben die Besuche in den Dörfern, dass die Bevölkerung nicht frühzeitig und umfassend informiert wurde und frei über geplante Projekte auf ihrem Boden entscheiden konnte. Weiter wurden Plantagen direkt an Flüssen und in geschütztem Wald angelegt oder an Steilhängen ohne Terrassierung zum Schutz gegen Erosion.

Fazit für Anton Widjaya: «RSPO ist vorwiegend «Greenwashing» zur Beruhigung der Gewissen der Käufer und Verarbeiter von Palmöl in Europa und ebenso der beteiligten Banken und Finanzinstitute».

Aufruf für weniger Verbrauch

15 Jahre RSPO bremsten auch die Zunahme der Plantagenflächen kaum: 2014 erreichte die Fläche von Ölpalmplantagen 19,7 Millionen Hektaren (197 000 Quadratkilometer), rund die Hälfte mehr als bei der Gründung des Standards RSPO. Dahinter stecken finanzielle Interessen grosser Finanzinvestoren, auch aus der Schweiz, wie Fastenopfer und Brot für alle in einer Recherche im Frühjahr 2017 belegt haben. Erst ein sinkender Verbrauch bringt weniger Druck auf die Menschen und die Umwelt. Deshalb fordern die Werke Brot für alle und Fastenopfer die Schweizer Grossverteiler auf, weniger Palmöl zu verwenden Und die Konsumentinnen und Konsumenten sind aufgerufen, den Aufruf mit dieser Forderung zu unterstützen.

Weitere Informationen:

Medien: Matthias Dörnenburg, Co-Leiter Kommunikation, 079 759 90 22

Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik, Brot für alle, Mail, 031 380 65 72

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