Medienmitteilung Ökumenische Kampagne 2020

Schweiz: Ökumenische Kampagne: Lichtblicke trotz Absagen und Spendeneinbruch

13.04.2020
Brief aus dem Senegal ans Seco: Saatgut gehört in die Hände von Bäuerinnen und Bauern

13.04.2020, Luzern/ Bern. Saatgut soll den Bäuerinnen und Bauern gehören, die es nutzen. Dies fordern über 2300 Menschen aus 11 Ländern in ihren Briefen ans Seco. Die Entwicklungsorganisationen Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein hatten die Aktion im Rahmen der Ökumenischen Kampagne lanciert – die hohe Beteiligung übertraf alle Erwartungen.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verhandelt aktuell mit einer Reihe von Ländern über Freihandelsabkommen. Diese verlangen unter anderem einen strengen Sortenschutz für Saatgut. Kleinbäuerinnen und -bauern wehren sich dagegen, weil damit ihr Recht auf Saatgut drastisch eingeschränkt würde. Deshalb erhielt das Seco in den letzten Wochen rund 1300 Protestbriefe von Bäuerinnen und Bauern aus Asien, Afrika und Lateinamerika – dazu auch zahlreiche solidarische Zuschriften aus der Schweiz. Die Briefe wurden von über 2300 Menschen aus insgesamt elf Ländern unterzeichnet. «Die zahlreichen Reaktionen aus derart vielen Ländern zeigen, wie relevant dieses Thema für die Bäuerinnen und Bauern ist», sagt Tina Goethe, Expertin für das Recht auf Nahrung bei Brot für alle.

Das Seco hat nun mit einer offiziellen Stellungnahme reagiert. Darin anerkennt es die Sorge der Bäuerinnen und Bauern weltweit um das Recht auf Saatgut als wichtiges Anliegen und drückt Offenheit aus, «mit Partnerländern bei Bedarf individuelle Alternativlösungen zu finden». Konkrete Schritte, wie die Schweiz den Anliegen Rechnung tragen will, sind jedoch nicht ersichtlich. Brot für alle und Fastenopfer werden sich auch künftig dafür einsetzen, dass Schweizer Freihandelsabkommen nicht länger strenge Sortenschutzgesetze verlangen. Dies nicht zuletzt im Rahmen der neu gegründeten Saatgutkoalition, wo sie zusammen mit anderen Organisationen das Kampagnenthema «Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert» weiter verfolgen. Dazu Claudia Fuhrer, Expertin für das Recht auf Nahrung bei Fastenopfer: «Wer das Saatgut kontrolliert, kontrolliert die Nahrung. Darum ist es wichtig, dass die Kleinbäuerinnen und -bauern weiter uneingeschränkt über Saatgut verfügen können und es nicht von Agrarkonzernen monopolisiert wird.»

Covid-19 stellte Kampagne auf den Kopf

Kurz nach dem Start der Ökumenischen Kampagne Ende Februar legte die Corona-Krise das öffentliche Leben in der Schweiz lahm. Die meisten der geplanten Suppentage, Gottesdienste und Podien mussten abgesagt werden. Auch der geplante Strassenverkauf von Rosen zum Frühlingsbeginn konnte nicht stattfinden. Damit fehlt den Entwicklungsorganisationen mindestens eine halbe Million Franken für die Entwicklungszusammenarbeit. Die 80‘000 bereits bestellten Fairtrade-Rosen von Max Havelaar wurden an Altersheime und Spitäler verschenkt – eine Geste, die auf grosses Echo gestossen ist und viele Menschen berührt hat.

Die Hilfswerke entwickelten als Alternative für die Kirchgemeinden und Pfarreien in aller Eile die Aktion «Kleine Suppe mit grosser Wirkung»: Online können sie seit Mitte März Suppentüten beziehen und ihren Mitgliedern nach Hause schicken. «Wir konnten mit grossem Teamgeist schnell Alternativen bieten und so den Esprit der Ökumenischen Kampagne weitertragen», sagt Bernd Nilles, Geschäftsleiter von Fastenopfer und fügt an: «Dass mit den Ereignissen um Covid-19 zahlreiche Spendensammlungen für die Ärmsten ausfielen, ist tragisch. Einige versuchen wir im Laufe des Jahres nachzuholen.» Wie sehr die Corona-Krise die Spendeneinnahmen beeinflusst hat und wie gross die Einbrüche sind, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Ein Trost in der derzeitigen Krise bleibt laut Bernard DuPasquier, Geschäftsleiter von Brot für alle. «Mich beeindruckt vor allem die Welle der Solidarität, die wir aktuell erleben», führt er aus und betont gleichzeitig, dass sich diese Solidarität nicht nur auf die Schweiz beschränken dürfe, aktuell sei das Engagement der Entwicklungsorganisationen im Süden besonders wichtig.

Mediendossier mit weiterführenden Unterlagen:

Auskünfte:

Gabriela Neuhaus, Kommunikation Brot für alle,
neuhaus@bfa-ppp.ch, 079 435 81 30

Madlaina Lippuner, Kommunikation Ökumenische Kampagne bei Fastenopfer,
lippuner@fastenopfer.ch, 076 307 28 77

 

Die Ökumenische Kampagne in Kürze

Brot für alle (reformiert) und Fastenopfer (katholisch) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten zu verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende zu unterstützen oder sich an einer Aktion zu beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff der gelebten Solidarität.