Covid-19 und die Projektarbeit von Fastenopfer

Nepal: «Die Sicherheit der Menschen hat höchste Priorität»

21.05.2021
Samrat Katwal ist Koordinator von Fastenopfer für die Projekte in NepalSamrat Katwal ist Koordinator von Fastenopfer für die Projekte in Nepal

Vor wenigen Wochen sah es in Nepal noch ganz aus, dass die Pandemie das Land nicht so hart treffen würde. Doch nun, Mitte Mai, erzählt Fastenopfer- Koordinator Samrat Katwal im Interview, wie schlimm das Virus mittlerweile wütet.

Wie präsentiert sich die Lage derzeit in Nepal?

Die zweite Welle hat das Land schwer erwischt. Am 12. April verzeichneten wir noch 303 neue Ansteckungen pro Tag, nun sind es täglich mehr als 9000. Über 4’000 Menschen haben ihr Leben verloren. Schätzungsweise 80’000 Menschen befinden sich in Quarantäne.  Experten warnen vor einem Anstieg der Todesfälle in den kommenden Wochen, da das Gesundheitssystem komplett überfordert ist. So ist in der Hauptstadt Kathmandu den meisten Krankenhäusern der Sauerstoff ausgegangen und Patienten werden abgewiesen. Mit dem Beginn des erneuten Lockdowns Ende April waren die Menschen gezwungen, in überfüllten Bussen zurück in ihre Dörfer fahren. Das leistet der Ausbreitung der Pandemie in abgelegenen Dörfer ohne medizinische Versorgung Vorschub.. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht, da weniger als zwei Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind. Zudem wird das Land von einer politischen Krise erschüttert, nachdem der Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli eine Vertrauensabstimmung im Repräsentantenhaus verloren hat und nur noch als Übergangspremier weiterregieren darf.

Gab es in Nepal je eine vergleichbare gesundheitliche Krise?

Zwar kennt fast jede Region Nepals Sagen über eine unbekannte Krankheit, die eine ganze Siedlung ausgelöschte. Und wir kennen Infektionskrankheiten wie Cholera, woran 2009 über 500 Menschen starben. Daneben  gibt es saisonale Ausbrüche von Magen-Darm-Infektionen, Typhus, Malaria, Grippe, Japanische Enzephalitis und Hepatitis A. Doch eine Pandemie in diesem Ausmass gab es in Nepal noch nie.

Kann die Projektarbeit unter diesen Umständen fortgesetzt werden?

Sowohl die Verantwortlichen der Projekte wie die Koordinationspersonen von Fastenopfer haben  enge Freunde oder Familienmitglieder, die an Covid-19 erkrankt sind. Glücklicherweise sind die meisten von ihnen bereits wieder auf dem Weg der Besserung.

Unsere Priorität bleibt die Sicherheit der Mitarbeitenden und der Menschen in den Projekten. Generell können wir jedoch feststellen, dass Projekte in den abgelegenen Teilen Nepals ihre Aktivitäten aufrechterhalten können unter Einhaltung der entsprechenden Vorsichtsmassnahmen. Nur die Partnerorganisationen in der Hauptstadt in der Hauptstadt müssen sich jedoch auf virtuelle Mittel beschränken.

In Regionen, die besonders von der Pandemie betroffen sind, arbeiten die Projekte eng mit den lokalen Behörden, um diese bei der Bewältigung der Pandemie zu unterstützen. Während der ersten Welle im vergangenen Jahr haben sie unter anderem telefonische Beratung für Opfer häuslicher Gewalt angeboten und die Menschen für die Hygienemassnahmen und das Maskentragen sensibilisiert. Dieses Jahr schlägt die Pandemie aber viel stärker zu und gleichzeitig müssen viele Gemeinden sparen, was die Partner mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert.

Sind Impfprogramme gestartet, sind diese ein Ausweg aus der Pandemie?

Nepal hat seine Impfkampagne am 27. Januar gestartet, mit dem von Indien hergestellten Impfstoff Covishield vom Typ AstraZeneca. Die Kampagne startete mit einer Million Impfdosen, die Indien zur Verfügung gestellt hatte. Kurz darauf wurden von der Regierung zwei weitere Millionen Dosen gekauft. Davon wurde eine Million geliefert und in alle Distrikte Nepals verteilt und verimpft. Doch nach dem rasanten Anstieg der Ansteckungen, hat Indien den Export von Covishield gestoppt. Es ist fast unmöglich, weiteren Impfstoff einzuführen. Die restlichen bezahlten Dosen wurden immer noch nicht geliefert. Das führt natürlich zu einer grossen Ungewissheit bei den Menschen und selbst die Regierung weiss nicht, wann für alle eine zweite Dosis erhältlich sein wird.

Unterstützen Sie die Menschen in unseren Projekten - gerade jetzt!

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