Bernd Nilles zum Ergebnis der Amazonassynode

11.11.2019

Drei Wochen lang stand bei der Amazonassynode in Rom die sogenannte Peripherie im Zentrum des Geschehens, wurde dem Schrei der Erde und der Armen höchste Aufmerksamkeit geschenkt. In zahlreichen Arbeitsgruppen wurde zusammengearbeitet und wurden Vorschläge zur Zukunft des Amazonas wie der Weltkirche erarbeitet. An diesem Kraftakt haben viele mitgewirkt – einschliesslich der Vertreter/innen der katholischen Hilfswerke die an die Synode eingeladen waren, und vor allem auch die Vertreter/innen aus dem Amazonasgebiet.

Für sie ging es um viel, da die katholischen Organisationen und die Kirche selbst zu den wenigen Akteuren gehören die sich im Amazonasgebiet der Ausbeutung durch Konzerne und Regierungen entgegenstellen. Sie stellen sich an die Seite der indigenen Gemeinschaften, um ihre Rechte einzuklagen und die den Mut haben, sich Regierungen, wie der von Bolsonaro, in den Weg zu stellen.

Diesem Einsatz – bei dem auch viele Partnerorganisationen von Fastenopfer mitwirken – wurde in Rom der Rücken gestärkt. Durch intensives Zuhören gelang es allen einen tiefen Einblick zu bekommen in die Wirklichkeit des Amazonasgebiets. Diese Nähe, dieses Wissen, diese Betroffenheit, diese Sorge um unser gemeinsames Haus haben es auch ermöglicht, dass sich die Bischöfe wagten Vorschläge zu machen, die das Potential haben die ganze Kirche – weltweit – zu verändern. Dafür war auch der synodale Prozess vor der Synode entscheidend, bei dem zehntausende Vertreter/innen aus dem Amazonasgebiet konsultiert wurden.

Spannend bleibt, wie die Kirche mit diesen Beschlüssen umgehen wird, ob die Chance zur Veränderung ergriffen wird, wie weit Papst Franziskus in seinen Beschlüssen zur Synode gehen wird. Ein erstes positives Zeichen ist auch der Beschluss, dass es in Zukunft im Vatikan ein Büro geben soll, dass sich explizit mit dem sozial-ökologischen Wandel und dem Amazonasgebiet befassen wird.

Es kommt aber auch auf uns in der Schweiz an. Wir konsumieren vieles aus der Amazonasregion, sind indirekt an seiner Ausbeutung und Zerstörung beteiligt: Vom Soja für die Massentierhaltung über Bergbau für Gold oder Eisenerz bis hin zu Palmöl für unseren Fastfood. Zudem zerstören wir das Klima, was für die Amazonasregion eine zusätzliche Bedrohung darstellt. Es ist wichtig, dass wir in dieser globalisierten Welt nicht übersehen was konkret vor Ort geschieht. Wir müssen die Augen dafür öffnen, damit wir unsere Lebensgrundlagen nicht zerstören.

Diese Synode kann uns dabei helfen, unseren Lebensstil, unser Wirtschaften aber auch unsere Kirche neu auszurichten.  Die Synode ist nicht das Ende, sondern ein wichtiger Schritt auf neuen Wegen für die Kirche und die Welt. Dabei wird es auch weiterhin Widerstände geben. Doch von diesen dürfen wir uns nicht abschrecken lassen.

 

Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenopfer