Klimaproteste in der Schweiz – Climate-Action auf den Philippinen

30.01.2019
Reisbank der Bäuerinnen und Bauern: Hier werden alle erfolgreichen Sorten aufbewahrt. Einige hängen an der Decke, andere kommen für bis zu 40 Jahre ins Eisfach. Wenn durch Flut oder Dürre alles verloren ist, finden sich hier noch Reissamen, die sich vermehren lassen für einen Neuanfang.

Bei uns in der Schweiz zeigen immer mehr Menschen öffentlich ihre Unzufriedenheit mit einer Klimapolitik im Schneckentempo. Schülerinnen und Schüler zeigen lautstark ihre Sorge um die Zukunft. Wie reagieren unsere Partnerorganisationen auf den Klimawandel? Bernd Nilles, Geschäftsleiter von Fastenopfer, ist derzeit in Mindanao auf den Philippinen und erzählt.

Von den Klimastreiks der letzten Wochen habe ich auch unseren Partnerorganisationen auf den Philippinen berichtet, mit denen ich zur Zeit unterwegs bin. Die Freude über die Solidarität aus der Schweiz ist gross, denn hier schlägt der Klimawandel bereits unerbittlich zu. Menschen die hier bereits unter Armut leiden, werden jetzt noch zusätzlich vom Klimawandel getroffen. In drei Dörfern wurde mir unisono von den älteren Fischerinnen und Fischern bestätigt, dass das Meer unruhiger ist – aktuell kommen sie seit drei Monaten kaum raus, was ihre Situation prekär und das Fischen gefährlich macht.

 

Auch die Taifune werden immer stärker, was Wind und Wassermengen und Häufigkeit angeht. Früher hätte es immer nur drei Taifune  mit grösserer Zerstörungskraft gegeben, heute kommen bis zu 5 von dieser Stärke. Das deckt sich mit den UNO-Klimaprognosen, die uns alle seit Jahren vor Wetterextremen warnen, die weltweit Menschen in Gefahr bringen und die Welternährung bedrohen.

 

Verschiedene Massnahmen auf allen Ebenen unterstützen

 

Wir von Fastenopfer unterstützen deshalb sowohl die Proteste in der Schweiz als auch Desaster Risk Reduction Massnahmen auf den Philippinen. Dabei geht es zum Beispiel um den Schutz der küstennahmen Fischbestände, damit die Fischenden nicht mehr so weit raus müssen, was immer gefährlicher wird. Wir unterstützen Mangrovenpflanzungen, damit die Dörfer vor Überflutung und steigendem Meeresspiegel geschützt werden. Notfallpläne mit Fluchtunterkünften werden erstellt, um sich besser vor dem nächsten Tornado zu schützen. Und es gibt nach den Katastrophen Workshops, um die Trauer und Ängste zu verarbeiten – denn die zunehmenden Wetterextreme setzen den Menschen hier nicht nur physisch, sondern auch mental zu.

 

Heute war ich bei Reisbäuerinnen und -Bauern auf der südlichen Insel Mindanao. Auch hier reden sie vom Klimawandel. Sie sind von Dürren und sintflutartigen Regenfällen getroffen, die ihre Reisernten bedrohen. Auch das sind typische Wetterextreme des Klimawandels. Diese treffen hier insbesondere die Kleinbauernfamilien, da die Grossgrundbesitzenden sich mit ihren Bananen- und Palmölplantagen für den Weltmarkt den Zugang zu Wasser wie Abwasserkanälen sichern. Bei Dürre schöpfen sie das wenige Wasser ab, mit der Folge, dass bei den Reisbäuerinnen und -Bauern nichts mehr ankommt und die lokale Bevölkerung hungert, während die Bananen und das Palmöl in unseren Supermärkten ankommt, als sei nichts geschehen.

 

Mit Agrarökologie den Ertrag steigern 

 

Doch auch die Bäuerinnen und Bauern schliessen sich zusammen und arbeiten an Alternativen. Unsere Partnerinnen Agroeco und Searice zum Beispiel unterstützen Menschen, die Reissorten züchten, die sich besser an Klimaextreme anpassen. Und das mit Erfolg. Die Erträge derjenigen, die auf Agrarökologie setzen und ohne Pestizide und Kunstdünger arbeiten, nehmen zu und übersteigen bereits den konventionellen Anbau um bis zum doppelten Ertrag. Hunderte von Reissorten haben sie bereits gezüchtet und tauschen sie, um sich gegenseitig zu helfen.

 

Den Klimawandel können nur wir in den reichen Ländern stoppen, aber die Menschen hier geben ihre Heimat noch nicht auf, und sie hoffen darauf, dass wir auch unseren Beitrag leisten, dem Klimawandel endlich ein Ende zu setzen. Dafür bedarf es jetzt grosser Anstrengungen, denn leider steigen die CO2 Emissionen immer noch, statt zu sinken. amit laufen wir Gefahr weit über die kritischen 1,5 Grad hinauszuschiessen. Bereits heute hat sich die Atmosphäre um 1 Grad erwärmt. In zwei Jahren müssen wir laut Wissenschaft die Kurve nach unten bekommen und dann in nur 30 Jahren klimaneutral leben und wirtschaften.

 

Das können wir noch schaffen, aber nur mit Anpassung unseres Lebensstils und mit mutigen, politischen Entscheidungen, die endlich das Leben aller und nicht nur den Profit weniger in den Mittelpunkt stellen. Deshalb brauche wir jetzt Proteste, entschiedenes Handeln und Solidarität mit denen, die bereits heute unter dem Klimawandel leiden.

 

-Bernd Nilles, Fastenopfer

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