Kazas Tage der Entscheidung

21.03.2017

In Südafrika hat Land Grabbing eine lange Tradition. Während der Apartheid wurden ganze Dörfer umgesiedelt. Und die Vertreibungen gehen bis heute weiter. Betroffen sind vor allem Farmarbeiter.

 

Bis zur Ernte der Kartoffeln hätte nicht mehr viel gefehlt. Doch eines Morgens kamen sie mit einem Bulldozer und zerstörten seinen Garten. Thembile Kaza* war machtlos. Den Schopf mit seinem Gartenwerkzeug konnte er gerade noch in Sicherheit bringen.

 

Thembile Kaza ist ein Berg von einem Mann. Hochgeschossen, breite Schultern und mit Händen, die es gewohnt sind, anzupacken. Das Dilemma hat ihn ratlos gemacht. Der Boden hier ist trocken und das Leben hart. Doch dank Ecarp, einer Partnerorganisation von Fastenopfer, hat Kaza gelernt, wie er mit Mulchen die Feuchtigkeit im Boden behält und mit Dung dessen Fruchtbarkeit verbessert.

 

«Mein Leben hat sich durch Ecarp verbessert.» Denn dank der von Ecarp begleiteten Spargruppen konnten sie Nahrungsmittel günstiger einkaufen. Über Ecarp organisierten sich die Farmarbeiter zudem in einem Area Comittee, in dem sie ihre Rechte kennenlernen und eine Lohnerhöhung einfordern konnten. Und Ecarp hilft den Farmarbeitern auch, wenn ihnen eine Vertreibung droht. Von Ecarp weiss Kaza, dass er auf der Farm ein Bleiberecht hat. Das Gesetz legt fest, dass er bei einem erzwungenen Wegzug Anspruch hat auf eine gleichwertige Bleibe oder eine angemessene Entschädigung. 

„Eines Morgens kamen sie mit einem Bulldozer.“

Südafrika ECARP
Der englische Vertrag

 

Im September 2015 ist die Farm verkauft und Kaza informiert worden, dass seine Familie wegziehen muss. Ein Haus in Grahamstown wurde ihnen offeriert. Doch Kaza lehnte ab: «Ich bin Farmer. Was soll ich in einer Stadt?» Dann versprachen sie, Kaza ein Haus zu bauen auf der benachbarten Goodwood-Farm, die demselben Besitzer gehört. Das Haus werde viel grösser als das alte. Mit Bad.

Doch Ecarp empfahl, abzulehnen, da er seine Bleiberechte beim Verkauf dieser Farm verlieren würde. Und die Organisation wies ihn an, keinen Vertrag zu unterzeichnen. Nachdem der Bulldozer da war, hat Thembile Kaza doch unterschrieben. Vom Vertrag hat er keine Kopie. Was drin steht, weiss er auch nicht: Der Vertrag ist in Englisch aufgesetzt. Kaza versteht kein Englisch. Ihm wurde der Inhalt auf Xhosa übersetzt.

Es ist schön geworden, das neue Haus. Strom und Wasser fehlen noch. Doch ob es für ihn und seine Familie reicht? Es ist sehr viel kleiner, als angekündigt. Am neuen Ort soll Kaza auch wieder seine alte Arbeit aufnehmen. Der Lohn ist nicht viel: 2000 Rand, keine 150 Franken im Monat. Der Garten mit den Melonen wird ihnen fehlen. — Patricio Frei

Lesen Sie mehr dazu in unserer neusten Publikation des «Perspektiven».

 

 

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