«Die Trennung, dort Probleme, hier alles gut, ist nicht mehr zutreffend.»

Herausforderung Transformation

04.07.2017

Damit Fastenopfer seine Arbeit kontinuierlich fortsetzen kann, wird alle sechs Jahre – zusammen mit den verschiedenen Partnern – eine neue Strategie formuliert. Dies bedeutet einerseits Reduktion, anderseits eine Themen-Konzentration. Matthias Dörnenburg und Markus Brun von der Geschäftsleitung geben Aufschluss.

 

Was ist neu an der Strategie von Fastenopfer?

 

Matthias Dörnenburg (MD)*: Die wichtigste Herausforderung ist der Anspruch, transformativ tätig zu sein. Das bedeutet, gesellschaftliche, kulturelle und politische Veränderungsprozesse hin zu einer zukunftsfähigen Lebensweise anzustossen. Das bedeutet auch, dass die alte Trennung zwischen Nord und Süd nicht mehr gleich wichtig ist. Die Entwicklung beginnt nicht hier und hört im Süden auf. Oder umgekehrt. Die Trennung, dort arm, hier reich, dort Probleme, hier alles gut, ist nicht mehr zutreffend. Das heisst aber auch, dass wir uns verändern müssen, wir unseren Lebensstil hinterfragen, anpassen müssen, erkennen, dass wir eine gemeinsame Schöpfung haben, eine Erde, die uns zur Verfügung steht.

 

Markus Brun (MB)*: Gleichzeitig konzentriert sich Fastenopfer auf die Themen Recht auf Nahrung, nachhaltiges Wirtschaften und Gender-Gerechtigkeit. Die Reduktion der Themen in der Entwicklungszusammenarbeit soll die Projektarbeit noch klarer fokussieren und wirkungsorientierter werden lassen.

 

Wie wirkt sich das ganz praktisch aus – diese Neudefinition der Zusammenarbeit?

 

MB: Wir sind dabei, vier internationale Programme zu entwickeln: Agrarindustrie und Sicherung der Lebensgrundlagen, Energie und Klimagerechtigkeit, Rohstoffe und Menschenrechte sowie alternatives Wirtschaften. Die Themenfelder sind nicht neu, sie wurden aus den Erfahrungen der letzten Jahre abgeleitet. Wir recherchieren Verbindungen und Bezüge aus einem Programmland zur Schweiz – wie zum Beispiel beim Goldabbau und Burkina Faso – und definieren, in welchen Feldern wir hier dazu beitragen können, dass die Rahmenbedingungen für die Bevölkerung in Burkina Faso verbessert werden. Für solche haben wir uns früher schon eingesetzt. In den neuen Programmen sollen aber die Bezüge und die Folgearbeiten in den Südländern verbessert werden und die Programmpartner vor Ort mehr mitreden können.

 

Welche neuen Herausforderungen birgt diese Strategie?

 

MD: Die wichtigste Herausforderung ist, dass diese Prozesse quer durch die Organisation gehen. Das bedeutet, wir können keine Kampagne führen, ohne die Anbindung an den Süden definiert zu haben. Zudem können wir nichts im Süden machen, ohne darüber nachzudenken, wie wir hier zur Verbesserung der Situation von benachteiligen Menschen beitragen können. Diese Durchgängigkeit zu gestalten, heisst, dass die Schnittstellen, die wir bereits bis anhin hatten, noch viel sorgfältiger gestaltet und auch gelebt werden müssen.

 

Was wurde priorisiert?

 

MB: Eine einschneidende Veränderung war sicherlich der Verzicht auf das Kernthema Menschenrechte. Wir mussten uns eingestehen, dass wir nicht zu sämtlichen Menschenrechten effizient arbeiten können. Priorisiert wurde daher das «Recht auf Nahrung», das in allen Landesprogrammen thematisiert wird und auch in den Kampagnen immer wieder präsent war. Die Fragen rund um den Themenkomplex Glaube und Gerechtigkeit werden nicht mehr als eigenes Kernthema geführt. Sie bleiben zentral, da sie zu uns als katholische Organisation gehören und wichtig sind. Fastenopfer ist überzeugt, dass Glaube und Spiritualität eine wertvolle Quelle, für soziales und entwicklungspolitisches Engagement sind. Von den ehemaligen «strategischen Leitlinien» wurde Gender beibehalten und als verpflichtendes Transversalthema in allen Programmen geplant. Denn die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder Lebensweise ist eine nicht akzeptierbare Verletzung ihrer Menschenwürde.

 

Werden künftig weniger Projekte realisiert?

 

MB: Fastenopfer ist weiterhin in vierzehn Ländern tätig. Und es ist eine feste Absicht, künftig nur noch mit fünf bis zehn Projektpartnern pro Land zusammenzuarbeiten. Dies auch, weil man feststellen musste, dass das Finanzvolumen bei einzelnen Partnern eher am unteren Rand war und wir nun die Möglichkeit haben, in weniger Projekte, dafür etwas mehr investieren zu können, was sich auch positiv auf die Qualität dieser Organisationen zugunsten der Benachteiligen auswirken wird. So gesehen, wird es mittelfristig weniger Projekte geben, aber die gleiche Anzahl Länder, in denen wir tätig sind, die gleiche Anzahl erreichter Zielgruppen und eine höhere Qualität der Arbeit.

 

Markus Brun
Matthias Dörnenburg

Markus Brun, Co-Leiter Internationale Zusammenarbeit und Leiter Südprogramme (links) und Matthias Dörnenburg, Co-Leiter Bereich Kommunikation (rechts).

 

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