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Guatemala

«Guatemala – keine Aussicht auf Gerechtigkeit»

05.08.2021
Edgar Hernandez ist Theologe und Sozialarbeiter, Direktor der Caritas Verapaz. Caritas Verapaz ist ein Partner von Fastenopfer in Guatemala.

Guatemala - Keine Aussicht auf Gerechtigkeit

Vor einer Woche hat Generalstaatsanwältin Consuelo Porras den Sonderstaatsanwalt gegen Straffreiheit Juan Francisco Sandoval entlassen. Er war der letzte im guatemaltekische Staatsapparat, der versuchte gegen die grassierende Korruption zu kämpfen. Aus Angst um sein Leben und das seiner Familie, hat er sich nach El Salvador abgesetzt.

Dazu ein Interview mit Edgar Hernandez, Direktor der Fastenopfer Partnerorganisation Caritas Verapaz.

Warum musste der wichtigste Ermittler zur Korruptionsbekämpfung Juan Franzisco Sandoval fliehen?

Edgar Hernandez: Die von Sandoval geleitete Behörde Feci war aus der Uno-Kommission gegen die Straflosigkeit (CICIG) hervorgegangen. Eingesetzt wurde diese Ende 2006, um gegen Menschenrechtsvergehen durch das organisierte Verbrechen und die chronische Korruption in Guatemala vorzugehen. Doch die CICIG, die einst als Modell für eine rechtsstaatliche Wende in Zentralamerika galt, musste bereits unter Giammatteis Vorgänger Jimmy Morales das Land verlassen. Seit der Auflösung der CICIG wurde der Prozess der Ausrottung jeder Einrichtung oder Person die sich gegen Korruption in der Staatsmacht ausspricht, durch die Regierung fortgesetzt. Die Entlassung von Sonderstaatsanwalt Sandoval war nur eine Frage der Zeit, da er der Einzige war, der der korrupten Elite auf den Pelz rückte. Sandoval blieben nur zwei Möglichkeiten: Ins Exil zu gehen oder mit unbegründeten Anschuldigungen vor Gericht gestellt oder verfolgt zu werden, was sein Leben und das seiner Familie bedroht hätte.

Die guatemaltekische Bischofskonferenz protestiert gegen die Entlassung, aber hört die Regierung auf die Stimme der Bischöfe?

Der guatemaltekische Episkopat hat sich in seinem Communiqué klar geäussert. Er betont, dass die Entlassung des Sonderstaatsanwalts Sandoval für Guatemala ein «nicht wiedergutzumachendes Unrecht an der Gerechtigkeit und dem Rechtsstaat in Guatemala» sei. Er ist sich zudem bewusst, dass diese Entlassung Unruhe und Unzufriedenheit in der guatemaltekischen Bevölkerung hervorrufen wird. Mehrere Bischöfe haben in ihren Diözesen die Widerstandsdemonstrationen unterstützt und nehmen sogar daran teil. Die Regierung hört nicht mehr auf die Stimme der Bischöfe, sie sind jedoch immer noch sehr einflussreich in der guatemaltekischen Zivilbevölkerung.

Was kann Fastenopfer tun?

Die enge Solidarität mit den Partnern in Guatemala aufrechterhalten: Genaue Informationen über die Geschehnisse, insbesondere über die Geschehnisse in den einzelnen Regionen des Landes, breit veröffentlichen. Die Informationen in unseren lokalen Medien sind sehr einseitig; was über die Massenmedien Fernsehen und Radio verbreitet wird, wird von der Regierung und den Wirtschaftsmächten kontrolliert. Es wäre für uns eine grosse Hilfe, wenn die Schweizer Bevölkerung Informationen erhalten könnte, die mehr mit den Geschehnissen in Guatemala übereinstimmen.

Edgar Hernandez ist Theologe und Sozialarbeiter, Direktor der Caritas Verapaz. Caritas Verapaz ist ein Partner von Fastenopfer in Guatemala.

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