Gravierende, von der Welt vergessene Konflikte gefährden auch Entwicklungsarbeit

10.05.2017

In den Provinzen Zentral- und Ost-Kasai der Demokratischen Republik Kongo, wütet ein gewalttätiger Konflikt, der bereits zahlreichen Menschen das Leben gekostet hat. In diesen Provinzen fördert Fastenopfer Projekte, die zeitweise unterbrochen werden mussten. Im März wurden zudem zwei Experten der Uno entführt, die wenig später tot aufgefunden wurden. In der ganzen Region ist die Sicherheit und das Leben der Bevölkerung gefährdet.

„Die Miliztruppen von Kamuina Nsapu entwickeln zunehmend mystisch religiöse Tendenzen. Wir wissen nicht, wie sich das Ganze weiterentwickeln wird. Sie ziehen vermehrt junge Frauen und Männer an und versichern ihnen, dass sie sogenannte „magische Kräfte“ hätten und dadurch unverwundbar seien. Tragischerweise werden sie trotzdem getötet. Die ganze Woche über habe ich mir die Bilder dieser jungen Menschen angeschaut, die von einem, bis auf die Zähne bewaffneten Militär kaltblütig getötet wurden und konnte diese, in keinem Verhältnis stehende Ungerechtigkeit nicht begreifen.“ Diese Zeilen erreichten Fastenopfer vor wenigen Tagen. Geschrieben hat sie ein Vertreter einer unserer Partnerorganisationen in der Demokratischen Republik Kongo.

Der Konflikt begann bereits im April 2016, nachdem sich der Staatsvertreter aus politisch motivierten Gründen geweigert hatte, die Ernennung des traditionellen Chefs Kamuina Nsapu anzuerkennen. Während Auseinandersetzungen mit der Polizei im August 2016 starb Kamuina Nsapu. Seitdem kämpfen Milizen, im Namen des verstorbenen Chefs, gegen Sicherheitskräfte und Behörden. Der Konflikt wird zunehmend gewalttätiger. Über 400 Personen sind bereits ums Leben gekommen. Polizisten wurden enthauptet, das Militär gab Schüsse auf die schutzlose Bevölkerung ab. Und dann kam es im März noch zu der Entführung der beiden Uno-Experten. Der Tod der Frau und des Mannes macht betroffen, doch gleichzeitig sind hunderte von Kongolesen bereits gewaltsam ums Leben gekommen, ihr Tod war in den hiesigen Medien bedauerlicherweise keine Meldung wert.

Angst um Leben und Sicherheit

Ein Grossteil der Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo lebt unter der Armutsgrenze, Unterernährung ist weit verbreitet. Die von Fastenopfer geförderten Projekte haben sich zum Ziel gesetzt, die Qualität und Quantität der Nahrungsmittel zu verbessern. Im Januar 2017 jedoch mussten die Mitarbeitenden die Projektregion verlassen, zu gross war die Angst um Sicherheit und Leben. Als sich im Februar 2017 die Lage wieder etwas beruhigte, kehrten sie zurück in die Provinz.

Doch seit März 2017 gibt es nun auch in der Provinzhauptstadt Kananga Kämpfe. Die Sicherheitskräfte versuchen, die Rebellen zu finden und greifen dabei unschuldige Zivilisten an. Die Fronten sind unklar. Neben Staatsgebäuden wurden mehrere Kirchen angegriffen und zerstört. Zahlreiche Priester und Schwestern mussten fliehen und sich in anderen Städten in Sicherheit bringen.

Die kongolesische Bischofskonferenz CENCO fordert, dass die internationale Gemeinschaft humanitäre Hilfe in der Krisenregionen leistet. Auch müssen die politischen Kräfte im Kongo unter Druck gesetzt werden, damit Lösungen gefunden werden. François Mercier, Länderverantwortlicher Fastenopfer für die Demokratische Republik Kongo, sagt dazu: „Diese Tragödie muss jetzt ein Ende haben, damit die Bevölkerung geschützt wird. Die politische Krise im ganzen Land gefährdet nicht zuletzt auch die Entwicklungsarbeit.“

Weitere Informationen:

Colette Kalt, Medienverantwortliche Fastenopfer, 041 227 59 51

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