2 Jahre Mariana-Katastrophe

Der Schlamm der Zerstörung – und des Unrechts

23.10.2017

Im November 2015 brach nahe Mariana in Brasilien ein Rückhaltedamm des Bergbau-Unternehmens Samarco. Eine der grössten Umweltkatastrophen der Geschichte. Seither kämpft eine ganze Region mit den massiven sozialen und ökologischen Folgen dieser Katastrophe. Eine Dokumentation rekapituliert das Unglück – oder ist es ein Verbrechen?

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Es blieben nur 11 Minuten, bis die Schlammwelle das kleine Dorf Mariana erreichte. Mauern und Häuser wurden umgerissen, Strassen und Plätze verschüttet, Bäume entwurzelt, die kleinen Gärten und Felder der Bewohnerinnen und Bewohnern zerstört und die Nutztiere mitgerissen. Wer den Lärm von weitem hörte, hatte nur diese 11 Minuten, um sich und seine Angehörigen in Sicherheit zu bringen.

Am 5. November 2015 brach der Damm des Rückhaltebeckens nahe der Kleinstadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais in Brasilien. Millionen Kubikmeter an Bergwerksschlamm trat aus der Eisenerz-Mine der Firma Samarco, ein Joint Venture der Konzerne VALE und BHP Billiton. Die Schlammlawine zog den Fluss hinab, 680 Kilometer, bis sie sich nach mehr als zwei Wochen ins Meer ergoss und auch das Küstensystem verseuchte.

Mehrere Dörfer, 349 Häuser, Schulen und Kirchen wurden zerstört. Die Flüsse Rios Gualaxo do Norte, Rio do Carmo und Rio Doce wurden verseucht. Insgesamt starben 19 Menschen. 600’000 Menschen sind direkt von den Auswirkungen betroffen, weitere vier Millionen indirekt.

 

Dreifacher Negativ-Rekord

 

Laut Erhebung der US-amerikanischen Beraterfirma Bowker Associates stellt die Katastrophe von Mariana einen Dreifach-Negativ-Rekord in der Geschichte des Bergbaus dar: Die grösste Menge an ausgetretenem Schlamms, das grösste betroffene Gebiet und die höchste Schadensumme.

Im Zusammenarbeit mit CIDSE, dem Dachverband der katholischen Hilfswerke, ist eine Webdokumentation entstanden, die nun – zwei Jahre nach dem Dammbruch – die Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner des Ortes darlegt. Anhand von Videoaufnahmen, Fotos und Fakten zeigt sie, wie das Unglück das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner, Bäuerinnen und Bauern und Indigenen in ein «vorher» und ein «nachher» teilt, ihre Wasserversorgung, ihre Ernährungssituation und ihre Gesundheit auch heute noch gefährdet sind.

Im Wasser wurden Partikel von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber und anderen Stoffen wie Aluminium, Eisen, Barium, Kupfer und Bor nachgewiesen. So erzählt Marlene, Bäuerin aus Tumiritinga, wie die Fische im Fluss verschwunden sind. “Und selbst wenn sie noch hier wären, wir würden uns gar nicht mehr getrauen, diese zu essen”, sagt sie. Und die Anwohnerin Simone aus Barra Longa berichtet von ihrer Tochter, die an einer schweren Atemwegserkrankung leidet. Deren Gesundheitszustand hat sich verschlechtert, seit Samarco und die Stadtverwaltung auf die Idee kamen, Material vom hart gewordenen Schlamm in der Stadt Barra Longa zum Bau von Gehsteigen zu verwenden.

justicia
Bis heute unentschädigt – und es drohen weitere Dammbrüche

 

Der Skandal ist auch heute noch riesig: Samaco hat sich beim Bau nicht an die technischen Empfehlungen der Fachleute gehalten. Aus Kostengründen verzichtete das Unternehmen auch auf Untersuchungen zur Sicherheit des Rückhaltebeckens – trotz bestehender Hinweise auf Gefahren. Bis heute wurde keiner der Angeklagten verurteilt. Bis heute warten die betroffenen Menschen auf den Wiederaufbau ihrer Häuser und Dörfer und auf Entschädigung.

In Brasilien gibt es 14 966 weitere Dämme, 913 davon sind Rückhaltebecken von Minen. Wie viele von ihnen könnten bersten? Weitere Fragen stellen sich: Die Minenfirmen profitieren vom Abbau der Rohstoffe, doch wie sind ihre längerfristigen Pläne bezüglich des (giftigen) Minenabfalls? Soll dieser über Jahrzehnte in der Region gelagert werden?

 

Wie auf dieses Unglück reagieren?

 

Fastenopfer unterstützt Betroffene in der Region, ihre Rechte einzufordern. Und Fastenopfer engagiert sich dafür, dass Unternehmen verbindlich für den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt sorgen müssen, und nicht länger nur freiwillig. Die Konzernverantwortungsinitiative ist das dazu geeignete Mittel in der Schweiz. Aber auch auf internationaler Ebene wird ein verbindliches Abkommen verhandelt.

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