Südafrika: Ausgangssperre führt zu häuslicher Gewalt und Hunger

21.03.2020
Quinta Titus rechts, lange bevor die verordneten Einschränkungen Namaqualand an den Rand des Kollapses brachten. ©Fastenopfer/Claudia Fuhrer

Die Fastenopfer-Partnerorganisation Namko, ist eine der wenigen NGOs, die noch im Gebiet von Namaqualand tätig ist und die Folgen der verordneten Einschränkungen wegen des Coronavirus, hautnah zu spüren bekommt.

Wie Quinta Titus, die Geschäftsleiterin von Namko berichtet, waren die Menschen der isolierten und armen Gemeinde im äussersten Westen der Nordkap-Provinz überzeugt, dass es sich beim Coronavirus um das Virus des reichen Mannes handelt. Ein aus China in den Rest der Welt verschlepptes Virus. Und da nur reiche Leute in der Lage sind, nach Übersee zu reisen, hätten sie in ihrer Abgeschiedenheit nichts zu befürchten.

Umso mehr erstaunte sie, als der Staatspräsident Abriegelungsmassnahmen verkündete. Nach wie vor waren die Menschen in der abgelegenen Region überzeugt, dass diese Anordnungen sie nicht betreffen würden. Als jedoch die südafrikanische Polizei und das Militär begannen, in den Gemeinden zu patrouillieren, erinnerte dies viel ältere Menschen aufs Schmerzlichste an das alte Apartheidregime. Etliche der jüngeren Generationen waren schockiert über die Einschränkungen, das Ausgehverbot und die Schliessung der kleinen Nahrungsmittel-Shops. Ihr Widerstand führte zu einer Zunahme brutaler Polizeieinsätze.

Die Schulen sind geschlossen, deswegen hungern die Kinder

Seit dem 23. März – dem südafrikanischen Lockdown – sind vertraute Aktivitäten wie der Besuch beim Nachbarn, Fussballspielen, in der Gruppe zusammensitzen um sich auszutauschen, und auch mal die Sorgen und Kümmernisse abladen zu können, nicht mehr erlaubt. Quinta Titus sagt: «Wir sind daran gewöhnt, in Zeiten der Not einander Grundnahrungsmittel zu borgen. Doch dafür müssen wir in der Lage sein, uns frei bewegen zu können. So wie die Situation jetzt aber ist, verschärft das den Überlebenskampf unseres Volkes.»

Die einzige Einkommensquelle für die meisten Menschen in der Region sind die staatlichen Sozialbeihilfen und Gelegenheitsjobs wie Putzen, die aber durch die Abriegelungsmass-nahmen nicht mehr gemacht werden können. Die Gemeindemitglieder haben hart zu kämpfen, da viele von ihnen ohne etwas zu essen zu Bett gehen müssen. Auch die Kinder trifft es hart. Bekommen sie doch in der Schule eine gratis Mahlzeit täglich, die wegen der Schliessung nun aber wegfällt. Oft gehen sie jetzt ohne eine anständige Mahlzeit zu Bett, und den Menschen in Namaqualand bricht es das Herz, wenn sie die Kinder vor Hunger weinen hören.

Telefonberatung gegen häusliche Gewalt

Durch diese nur schwer zu ertragende Situation steigt die Frustration, gerade auch bei den Männern. Das wiederum führt zu einer Zunahme von häuslicher Gewalt, und da die Frauen und Kinder keine Möglichkeit haben anderswo hinzugehen, sind sie gezwungen, in dieser schwierigen, oft auch lebensgefährlichen Situation auszuharren. Die Namko-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter versuchen über Facebook und telefonischen Kontakt, den betroffenen Frauen zu helfen. Doch selbst für sie ist es eine grosse emotionale Belastung, da sie nicht in der Lage sind direkte Hilfe anzubieten.

Quinta Titus spricht Klartext: «In der gegenwärtigen Situation hat unser Volk keine Hoffnung, und die staatlichen Hilfsprogramme erreichen nur wenige Menschen, und Elemente der Korruption sind im Nahrungsmittelpaketprogramm offensichtlich. Wenn es jemals eine Zeit gab, in der unser Volk Unterstützung brauchte, nur um zu überleben, dann ist es jetzt.»

Colette Kalt, Fastenopfer

Covid-19 und seine Auswirkungen – Stand 19. April 2020

Die ersten drei Fälle traten zwischen dem 6.-12. März auf. Bisher wurden 3158 bestätigte Fälle gemeldet. 54 Menschen sind an der Krankheit gestorben. Bisher sind 903 Personen wieder genesen. Im ganzen Land wurden 114’711 Tests durchgeführt.

Im Northern Cape verläuft die Ansteckungskurve äusserst flach, gemeldet sind 16 Fälle. In der Provinz Gauteng ist die Ansteckungsrate mit 1148 am höchsten, gefolgt vom Western Cape und Kwa Zulu Natal mit 868, resp. 617 gemeldeten Fällen. Durch die Ausgangssperre nimmt auch die häusliche Gewalt zu. Seit Beginn des Lockdowns wurden in Südafrika bereits 87’000 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet.

Namko – eine Partnerorganisation von Fastenopfer

Namko unterstützt die Bevölkerung, sich in Gruppen zusammen zu schliessen, um gemeinsam ihre Lebenssituation zu verbessern. Mit der Bildung und Beratung von Spargruppen wird der Bevölkerung ein Instrument angeboten, um sich von Verschuldung zu befreien. Zudem werden Haus- und Gemeinschaftsgärten angelegt. Mit diesen können einzelne Haushalte und ganze Gemeinschaften ihre Ernährung kostengünstig sichern und zugleich ausgewogener gestalten. Statt teure Nahrungsmittel im Supermarkt einkaufen zu müssen, können sie das Geld für andere dringende Auslagen verwenden oder in den Spargruppen anlegen. Namko führt seit ungefähr 10 Jahren auch Kampagnen gegen häusliche Gewalt durch und berät betroffene Frauen und Kinder.

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