Laos: Keine Corona-Tote – doch das Einkommen fehlt

19.07.2020
Ein typisches Dorf in den Bergen im Norden von LaosBienenzüchter Kham Phu zeigt seine Waben . Der Honig in der Nähe des Naturwaldes wird besonders schmackhaft, das Wachs wird zu Kerzen und Seifen verarbeitet. Foto: Fastenopfer / Reybroeck

Die Massnahmen der Regierung der Demokratischen Volksrepublik Laos wurden befolgt und wirkten: Es gab offiziell nur 19 Ansteckungen und keine Toten. Bereits am 5. Mai wurden die Ausgangssperren aufgehoben, weil es seit Mitte April keine Ansteckungen mehr gegeben hatte. Schmerzlich spürbar für die Menschen in den Projekten von Fastenopfer ist nun jedoch der Einbruch der Wirtschaft aufgrund der geschlossenen Grenzen.

Die erste Ansteckung mit dem Coronavirus in Laos wurde am 24. März gemeldet. Eine Woche später hatte die Regierung alle Flüge eingestellt, die Grenzen gesperrt und einen Lockdown verhängt.

Versorgung mit Lebensmitteln von aussen zusammengebrochen

Als die Massnahmen im Mai gelockert wurden und Reisen innerhalb des Landes wieder erlaubt war, fehlten die Händler aus China und Vietnam. Diese fahren in normalen Zeiten regelmässig in die Dörfer und kaufen den Familien Honig oder andere Waldprodukte wie Sprossen, Beeren, Wurzeln oder Pilze ab. Gleichzeitig bieten sie Reis zum Verkauf an.

Valérie Lange, bei Fastenopfer verantwortlich für das Programm in Laos, hat bisher keine Hilferufe aus den Projekten im Berggebiet erhalten, obwohl jedes Jahr vor der neuen Ernte zwischen Mai und Juli die Reisvorräte der Familien knapp werden. Hingegen berichten die Leute, dass sie Yams aus dem Wald essen. Das sind wildwachsende Wurzeln, nach denen sie tief graben müssen – die Nahrung scheint also knapper zu sein, wenn sie auf die Vorräte des Waldes zurückgreifen.

Ein weiteres Problem ist gemäss Valérie Lange der Preiszerfall: Wenn ein Kilo Honig bisher umgerechnet bis zu neun Franken einbringen konnte, beträgt der Preis aufgrund der fehlenden Nachfrage nun nur noch die Hälfte. Es hilft auch nicht, dass Honig sich leicht lagern lässt: Die Familien können nicht warten, bis die Preise wieder besser werden. Mit dem Einkommen aus dem Honig und anderen Waldprodukten überbrücken sie jeweils die Hungerperioden vor der Reisernte.

Lieber Hilfe zur Selbsthilfe als Lebensmittel verteilen

Etwas anders stellt sich die Situation im Süden des Landes dar, wo sich die Association for Community Development (ACD) für eine gute Ernährung von Kindern und schwangeren Frauen einsetzt. Zu Beginn der Arbeit von Fastenopfer mit ACD waren in der Projektregion fast 40 Prozent aller schwangeren und stillenden Frauen und fast die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren stark untergewichtig.

Im Projekt von ACD lernen die Frauen in Kochkursen, wie wichtig Vitamine sind.Im Projekt von ACD lernen die Frauen, wie wichtig Vitamine sind. Foto: Fastenopfer / Reybroeck
Auch hier gehen nun die Reisvorräte vom letzten Jahr zu Ende. Aufgrund der Trockenheit gibt es nur wenig Nahrungsmittel zum Sammeln im Wald. Und auch hier fehlen die vietnamesischen Händler. Es widerstrebt der Projektleiterin sehr, Nahrungsmittel zu verteilen. Denn das Projekt hat bisher gute Resultate erzielt mit der Schulung in produktiveren Anbaumethoden und zu ganzheitlicher Ernährung: Vor der Krise waren nur noch 10 Prozent der Kinder und Mütter untergewichtig. Lebensmittel wird das Projekt also nur im äussersten Notfall verteilen.

Die Frage ist – und die wird im Moment in allen Projekten von Fastenopfer in Laos mit den Teilnehmenden diskutiert: Was ist die Auswirkung des Virus auf die Projektarbeit auf die Dauer und wie leben wir weiter in dieser neuen «normalen» Situation?

Informationen: Khonemany Inoukham, Koordinatorin für das Fastenopferprogramm in Laos / Valérie Lange, Programmverantwortliche

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