Guatemala: Hunger ist schlimmer als Ansteckungsgefahr

13.04.2020
Ines Pérez und Yojana Miner

Inés Pérez Hernández und Yojana Miner, die Koordinatorinnen des Landesprogramms Guatemala berichten regelmässig zur Corona-Krise im Land. Sie rechnen mit lang andauernden negativen Folgen für die benachteiligte indigene Bevölkerung.

«Die informelle Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen. Das betrifft jene schwer, die von Tag zu Tag leben. Es herrscht grosse Besorgnis darüber, wie die Nahrungsmittel beschafft werden können, wenn man die Häuser nicht verlassen darf und keine finanziellen Mittel vorhanden sind.

Die Überweisungen an Familien, welche Verwandte in den Vereinigten Staaten oder in anderen Ländern haben, fliessen nicht mehr reibungslos, denn die Banken haben 75 Prozent ihrer Dienstleistungen eingestellt. Wir befürchten starke negative Auswirkungen: Es fehlt an Nahrung und die Unterernährung – rund 60 Prozent der Bevölkerung leben bereits unter der Armutsschwelle – wird zunehmen.

Davon betroffen ist vor allem die indigene, ländliche Bevölkerung, also unsere Hauptzielgruppe in den Projekten. Diese Krise wird bei ihr wohl tiefe Spuren hinterlassen. Die Partnerorganisationen von Fastenopfer, mussten einen grossen Teil ihrer Aktivitäten aufgrund des Versammlungsverbots reduzieren. Sie arbeiten aber mit alternativen Kanälen, über das Telefon und die Sozialen Medien und informieren die Menschen in den Projekten auch, wie sie sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen können. 

Wir selbst arbeiten seit Mitte März von zu Hause aus und sind in stetem Kontakt mit den Partnerorganisationen, unterstützen sie, so gut es geht. Wir hoffen, dass die Projekte von Oktober bis Dezember ihre geplanten Aktivitäten  nachholen können. 

Druck der Regierung auf die zivile Gesellschaft hält an

Der Kongress stellte bis anhin seine Arbeit nicht ein – das ist ein weiteres grosses Risiko, denn es könnten während der Ausgangssperren Gesetze verabschiedet werden, welche die Rechte der Bevölkerung verletzen. Wir hoffen, dass das Gesetz zu den Nichtregierungsorganisationen, welches unsere Arbeitsmöglichkeiten stark einschränken würde, nicht jetzt behandelt wird.

Was den Fokus des Guatemala-Programms betrifft: Das zentrale Problem in dieser Krise ist der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Nahrung. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, das Recht auf Nahrung zu betonen und wie notwendig es ist, die Anliegen der ländlichen, indigenen Bevölkerung ins Zentrum zu stellen.»

Inés Pérez und Yojana Miner, Koordinatorinnen des Ökumenischen Landesprogramms Guatemala.

Fastenopfer plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
Hier finden Sie mehr zum Guatemalaprogramm von Fastenopfer allgemein.

 

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Präsident von Guatemala, Alejandro Giammattei

Die Entwicklung der Coronoa-Krise in Guatemala

Am 13. März verkündete Präsident Giammattei den ersten Corona-Fall des Landes – ein Guatemalteke, der aus Italien gekommen war. Bereits ab 16. März wurden daraufhin alle Schulen geschlossen und weitere Massnahmen verkündet:

  • Land-, Luft- und Seegrenzen sind geschlossen, die Einreise von Ausländerinnen und Ausländern nach Guatemala ist verboten.
  • Keine Versammlungen mehr für mehr als 3 Personen, Osterprozessionen sind abgesagt.
  • Es herrscht totale Ausgangssperre von 16 – 4 Uhr.
  • Der öffentliche Verkehr wird eingestellt.
  • Einkaufszentren sind geschlossen, ebenso Bars, Clubs und Restaurants. Ausnahmen sind Apotheken, Tankstellen und grundlegende Dienstleistung.
  • Personen über 60, solche mit besonderen Risiken und Schwangere müssen grundsätzlich zu Hause blieben.

Die Regelungen gelten vorläufig bis zum 20. April, die Schulen bleiben bis Ende April geschlossen. Wer die angeordnete Ausgangssperre nicht einhält oder andere Regeln bricht, hat mit drastischen Strafen zu rechnen: Geldbussen ab umgerechnet 850 Franken oder Gefängnis bis zu 6 Jahren. Das trifft vor allem Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und die Ausgangssperre nicht einhalten können.

Vor Ostern wurden die Massnahmen verschärft – unter anderem sind alle Reisen innerhalb des Landes verboten. Der Präsident versprach gleichzeitig 11 Milliarden Quetzal – rund 1.35 Milliarden Franken – bereit zu stellen: Unter anderem sollen 2 Millionen Familien für drei Monate je 1000 Quetzales – rund 120 Franken – erhalten. Ob und wie dies umgesetzt wird, ist offen. Es wurde auch das Thema der häuslichen Gewalt angesprochen und die Frauen wurden gebeten, sich zu melden, wenn sie davon betroffen sind. 

Am 8. April meldete die Regierung, dass täglich rund 20 Ansteckungen dazu kommen und 11‘000 Personen unter Quarantäne gestellt wurden. Wohl wissend, dass das Gesundheitssystem für eine Krise nicht gewappnet ist, drohte der Präsident, die Präventionsmassnahmen erst dann zurückzuziehen, wenn die Neuansteckungen weniger als 12  pro Tag betragen.  Bis zum 12. April gab es insgesamt 156 bestätige Ansteckungen, davon starben 5 Personen, 19 Personen gelten als geheilt.