Agrarindustrie präsentiert sich zu Unrecht als Retterin

29.04.2020

Seit zwanzig Jahren feiern die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) und der Internationale Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) am 26. April den Welttag für geistiges Eigentum. In diesem Jahr unter dem Motto «Innovationen für eine grüne Zukunft». Partnerorganisationen von Fastenopfer auf der ganzen Welt verurteilen diesen irreführenden Aufruf. Sie riefen deshalb zum Internationalen Saatguttag auf, der die Arbeit und das Wissen von Millionen von Bäuerinnen und Bauern honoriert.

Der sogenannte UPOV-Sortenschutz ist neben den Saatgutgesetzen Teil jener globalen Gesetzgebungen, die das geistige Eigentum schützen, die industriellen Nahrungsmittel- und Agrarsysteme unterstützen und festigen. Wie bereits während der Ökumenischen Kampagne 2020 aufgezeigt, basieren diese Systeme auf der Kommerzialisierung von Natur und Wissen und untergraben die Rechte der Bäuerinnen und Bauern, die bäuerlichen Anbausysteme sowie die biologische Vielfalt. Die Fastenopfer-Partnerorganisationen sind überzeugt, dass die industrialisierte Landwirtschaft die Zukunft des Planeten und der Menschen in grosse Gefahr gebracht hat.

Gerade leben wir in aussergewöhnlich herausfordernden Zeiten. Die Corona-Pandemie hat eine Wirtschaftskrise geschürt und die Risiken, Fragilität und Ungerechtigkeiten in unseren Ernährungssystemen offengelegt. Deshalb sagt die philippinische Partnerorganisation Searice: « Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Saatgutvielfalt, unsere vielfältigen Ökosysteme und unsere Biokulturlandschaften, die lokale Ernährungssysteme und Millionen von Lebensgrundlagen unterstützen, zurückgewinnen. Angesichts der Pandemie fordern wir den vollen Schutz und die Einhaltung der Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.»

UPOV legt sich ein grünes Mäntelchen um

Gemäss WIPO und UPOV sei das geistige Eigentumsrecht an Saatgut gleichbedeutend mit der Innovationsförderung in der Pflanzenzüchtung. Doch dem widersprechen die Partnerorganisationen von Fastenopfer vehement. «Das System, dass die WIPO und UPOV fördern, behindert, untergräbt, beschränkt und entwertet stattdessen lokale Innovationen und traditionelle Wissenssysteme. Das von ihnen propagierte Modell ist ungeeignet für die Bäuerinnen und Bauern des globalen Südens, da sie weitgehend auf jahrhundertealte Systeme der Saatgutgewinnung und des Saatgutaustausches angewiesen sind.»

Tatsächlich sind es der Einfallsreichtum und die Innovationen der kleinbäuerlichen Familien, die die Welt ernähren, widerstandsfähige Nutzpflanzen hervorbringen und gesunde und nahrhafte Lebensmittel liefern – und dies auch in Krisenzeiten.

Gerne präsentiert sich die Agrarindustrie der Weltöffentlichkeit als Retterin in der Ernährungssicherheit. Gleichzeitig trägt sie aber auch eine Mitverantwortung an der Klima- und Umweltkrise.

Für die Partnerorganisationen ist ein solches Verhalten nicht akzeptabel: «Es darf nicht zugelassen werden, dass sich Unternehmen neu erfinden, um sich nun als Retter darzustellen. Sie sollten auch nicht mit dem Recht auf geistiges Eigentum belohnt werden, sind sie es doch, die Saatgut zu einer Ware machen und monopolisieren und die Rechte der Bäuerinnen und Bauern verletzen.»

Die unterzeichnenden Organisationen, verurteilen diese äusserst einseitige Sichtweise und sind schockiert über die Schönfärberei, mit der Sortenschutz nach UPOV und die Patente als Motor für eine grüne Zukunft angepriesen werden. Deshalb haben sie am 26. April alternativ zu einem Internationalen Saatguttag aufgerufen, der die Wichtigkeit der Bäuerinnen und Bauern bei der Saatgutgewinnung, dem Erhalt der Biodiversität und der Sicherstellung der Nahrung auch in Krisenzeiten garantiert.

Sie unterstützen das Anliegen unserer Partnerorganisationen? Unterschreiben Sie noch heute diese Petition, die bereits von vielen Umwelt- und Saatgutorganisationen weltweit unterschrieben wurde.

Erfahren Sie hier mehr über die Koalition.

Helfen sie mit, dass sich die Menschen im globalen Süden für ihr Saatgut einsetzen können

Spenden Sie für das Recht auf Nahrung - wir danken Ihnen herzlich!